"Die CDU braucht keinen neuen Startschuss"

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Herr Böge, die Nord-CDU ist in einem eher beklagenswerten Zustand. Sie wollen nun den Vorsitz übernehmen. Traumjobs sehen vermutlich anders aus.

Einspruch! Der Zustand der CDU ist besser als viele annehmen. Richtig ist, dass wir nach dem Rücktritt von Jost de Jager als Landesvorsitzender eine kurze Zeit der Personaldebatten hatten. Dieses Problem haben wir nach nur zwei Wochen gelöst. Wenn ich auf die Tagung des Landtags in dieser Woche sehe, dann stelle ich fest, dass wir in der Opposition Fuß fassen. Das zeigt schon die Art und Weise, wie überzogen und allergisch Teile der Koalition agieren und reagieren.

Also alles in Butter? Natürlich liegt Arbeit vor uns. Wir werden nach dem Parteitag am 16. März aber doch nicht bei Null anfangen, sondern unsere bereits begonnene inhaltliche Arbeit konsequent fortsetzen. Einen neuen Startschuss braucht die CDU Schleswig-Holstein nicht. Selbst aus Ihren eigenen Reihen ist die Kritik an der inhaltlichen Arbeit der Partei zu hören. Das mag so sein, verkennt aber die Tatsache, dass wir eine Grundsatzkommission haben, die seit langem arbeitet. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die schon jetzt mit dem Blick auf 2017 die internen Arbeitsstrukturen untersucht. Ich selbst werde das Fortsetzen, was Jost de Jager mit dem Blick auf die verstärkte Repräsentanz von Frauen und jungen Menschen in der Partei und einer Politik für die Städte begonnen hat. Hand aufs Herz, Herr Böge. Erst haben sie den Landesvorsitz weit von sich gewiesen, jetzt treten Sie an. Ist das Lust oder Pflicht? Dass ich zunächst gezögert habe, den Parteivorsitz zu übernehmen, hat vor allem den Grund, dass ich als stellvertretender Vorsitzender den Prozess der Nachfolge regelung zu moderieren hatte. Da wirft man nicht als erster seinen Hut in den Ring, sondern hört in die Partei hinein . Nun sitzt der künftige CDU-Vorsitzende als Abgeordneter im Europaparlament. Ganz schön weit weg von der Basis. Erstens kenne ich Schleswig-Holstein als Landeskind und in meiner Parlamentsarbeit sehr gut. Seit 1997 bin ich stellvertretender Landesvorsitzender. Und ich sage Ihnen. Von Hasenmoor im Kreis Segeberg über Hamburg nach Brüssel, das geht schneller als nach Berlin. Ich bin mir sicher, diesen - zugegeben - nicht ganz einfachen Landesverband moderieren und führen zu können. Nicht ganz einfach, sagen Sie. Was ist so schwierig? Wir haben hier natürlich eine besondere Geschichte. Hinzu kommt, aber das gilt heute für alle Volksparteien, dass wir mit ihren unterschiedlichen Strömungen zu kämpfen haben. Ich denke, ich bin prädestiniert, solche Strömungen zusammenzuführen. In Straßburg oder Brüssel ist es mein Tagesgeschäft, mit Griechen, Dänen, Spanieren oder Briten umzugehen mit dem Ziel, gemeinsam zum Erfolg zu kommen. Nun haben Sie demnächst etwas mehr mit Nordfriesen, Flensburgern oder Lübeckern zu tun. Landespolitisch ist Ihr Profil bisher eher unscharf. Wer in meiner Vita liest, der wird sehen, dass ich in vielen inhaltlichen Bereichen gearbeitet habe. Und natürlich bin ich über meine Arbeit im Landesvorstand im Bild, was in Schleswig-Holstein wichtig ist. Natürlich werde ich aber im Zusammenspiel mit der Landtagsfraktion hier in Zukunft meine Akzente setzen. Mein Ziel ist es, mit einer starken Mannschaft den Stellenwert der CDU Schleswig-Holstein im Land zu stärken und deutlich zu machen, dass wir uns um die Menschen und ihre Sorgen in diesem Land kümmern. Die Regierung mit Albig tut es jedenfalls nicht, sondern beschäftigt sich s eit vielen Monaten nur mit Nebenschauplätzen. Um auf den "nicht ganz einfachen" Landesverband zurückzukommen: Ihre Partei hat über eine Millionen Euro Schulden aus den drei vergangenen Landtagswahlkämpfen. Das ist natürlich eine gewaltige Herausforderung. Wir werden in den kommenden Wochen parteiintern ein Konzept ausarbeiten, wie wir diese Situation langfristig in den Griff bekommen wollen. Übrigens soll die SPD ähnliche Probleme haben.

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