Die Basis folgt nicht dem Vorstand – Jetzt brennt’s im Landesfeuerwehrverband

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10. Mai 2015, 14:05 Uhr

Dicke Luft bei der Feuerwehr: Zwei Wochen nach ihrer Vollversammlung bringt ein Streit zwischen den Wehren des Landes und ihrer Interessenvertretung, dem Landesfeuerwehrverband (LFV), lange schwelenden Ärger und Missstimmung zutage.

Auslöser ist eine Abstimmung, die zur großen Überraschung des LFV anders verlaufen ist als geplant. Der Stormarner Kreiswehrführer Gerd Riemann hatte angeregt, der Verband möge seine Satzung insofern ändern, dass erstens die Altersgrenze für zu wählende Vorstandsmitglieder abgesenkt wird. Zudem sollte in die Satzung aufgenommen werden, dass Vorstandsmitglieder in Zukunft abgewählt werden können.

Beides kam vor den Feuerwehrausschuss, in dem die Kreiswehrführer Empfehlungen an die Delegierten der Versammlung aussprechen, wie in einzelnen Fragen zu entscheiden sei. Dieser beschloss, mit einer Gegenstimme, dass die Satzung durchaus entsprechend Riemanns Antrag geändert werden solle, allerdings erst in 2016. Daraufhin erklärte Riemann auf besagter Versammlung vor zwei Wochen, dass er dennoch bitte, die Änderungen für dieses Jahr zu beschließen, weil er selbst sonst zu alt sei, um in den Vorstand gewählt zu werden.


    Vorstand fühlt sich vorgeführt


Die Delegierten folgten ihm – und nicht der Empfehlung des Ausschusses und stimmten mit einer zwei-Drittel-Mehrheit für die Satzungsänderung. Und eben dieser Beschluss sorgt nun für Ärger. Am Sonnabend trat der Ostholsteiner Kreisbrandmeister Ralf Thomsen deshalb von seinem Vorstandsposten beim LFV zurück. In seiner Begründung heißt es, die Delegierten hätten den LFV-Vorstand auf „unakzeptable und vor allem unkameradschaftliche Weise vorgeführt“. Es habe ihn „menschlich sehr enttäuscht. Dieses stellt für mich eine unüberwindbare Hürde für die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit dar“, erklärte er am Sonnabend schriftlich.

Die Kreiswehrführer macht das fassungslos, wie eine Umfrage von Schleswig-Holstein am Sonntag ergab. Matthias Schütte aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde nannte die Erklärung sehr anmaßend. Es sei eine demokratische Entscheidung gewesen und Thomsen mache die Delegierten mit seinem Rücktritt und dessen Begründung im Grunde zu „Stimmvieh“. „Das tut weh“, sagte sein nordfriesischer Amtskollege Christian Albertsen und das könne man so nicht stehen lassen. Es habe einfach bei der Versammlung eine andere Grundlage für die Abstimmung gegeben. Nachdem Riemann sich vor der Versammlung noch einmal erklärt habe, „gab das für alle wohl den Ausschlag, sich so zu entscheiden“, vermuten Albertsen und Schütte.

Riemann selbst sieht in dem Eklat ein Indiz dafür, dass die Feuerwehr-Basis unzufrieden mit dem LFV-Vorstand sei. Grund dafür sei der Ärger um die Feuerwehr-Kameradschaftskassen. Dem stimmt Frank Raether, Kreiswehrführer in Steinburg, zu: „Seitdem das Thema ist, stellt sich immer häufiger die Frage, ob die noch vernünftige Basisarbeit machen.“ Man höre immer häufiger: „Warum sind wir da eigentlich Mitglied?“


Einer droht gar mit Austritt


Schütte droht gar: „Der LFV vergisst, dass er ein Verein ist. Aus dem können die Mitglieder austreten, wenn sie unzufrieden sind.“ Der Verband habe sich in der Frage der Kameradschaftskassen zum „Lakaien der Landesregierung“ gemacht.

Hintergrund: In der Küstenkoalition war geplant, im neuen Brandschutzgesetz die Kameradschaftskassen der Feuerwehren als Sondervermögen dem Haushaltsrecht der Gemeinde zu unterstellen. Der Antrag wurde jedoch im letzten Moment zurückgezogen.

Schüttes Kritik weist der Vorsitzende des LFV Detlef Radtke scharf zurück. „Wir haben uns nie zum Lakaien gemacht und das lässt sich auch an zahlreichen Beispielen, unter anderem dem neuen Brandschutzgesetz, belegen.“ Er habe aber Verständnis dafür, dass das Thema Kameradschaftskassen mit einer „hohen Emotionalität“ behaftet sei. Und auch wenn er die umstrittenen Vorgänge auf der vergangenen Versammlung nicht nachvollziehen könne, so akzeptiere der Vorstand doch das Wahlergebnis. Und nehme zudem „das jetzt zum Signal. Sagt uns, eure Kritik, aber bitte konkret und direkt“.  

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