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Bäcker-Verband : Deutsches Brot soll Weltkulturerbe werden

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"Wer einmal im Ausland war, der weiß das deutsche Brot zu schätzen", sagt Bäckermeister Martin Jeß aus Hohenlockstedt. Weil es so einzigartig ist, wollen die Bäcker das deutsche Brot als Kulturerbe bei der Unesco eintragen lassen. Aus Schleswig-Holstein sind 50 verschiedene Sorten registriert.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 13:36 Uhr

Itzehoe | Es kann aus Roggen, Dinkel oder Weizen sein, gesäuert oder ungesäuert, hell oder dunkel, rund oder eckig. Schon die Nomaden kannten es und die alten Ägypter aßen sich daran satt. Aber kein anderes Land besitzt so viele Variationen des Brotes wie Deutschland. Das Gebäck ist so charakteristisch für unser Land wie für Brasilien die Samba, für Portugal der Fado oder für Indien die buddhistischen Gesänge. Das meint zumindest der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks und will das Brot von der Unesco als Weltkulturerbe anerkennen lassen.

Mit von der Partie sind auch Bäcker aus Schleswig-Holstein. Rund 50 Brote aus dem nördlichen Bundesland sind registriert. „Deutschlands Bäcker sind Weltmeister im Brotbacken und das gilt es nun zu beweisen“, der Itzehoer Bäcker Dr. Udo Pfahl. Seine Innung im Kreis Steinburg ist eine der kleinsten in Schleswig-Holstein, gleichzeitig aber mit den meisten Brotsorten auf der Liste vertreten. Die Vielfalt der verschiedenen Brote lasse auf den kulturellen Reichtum schließen, der sich hinter diesem Grundnahrungsmittel verberge, sagt Pfahl.  

Auf der Liste finden sich herkömmliche Sorten wie das Holsteiner Vollkornbrot aus Bad Segeberg genauso wie ausgefallene Schöpfungen wie das Wikingerbrot aus Silberstedt (Kreis Schleswig-Flensburg). Das Wikingerbrot sei besonders ballaststoffreich durch die enthaltenen Körner wie Sonnenblumenkerne,Sesam,Soja,Leinsamen und Hirse, sagt Stefanie Lemmermann von der Bäckerei Schmidt. Außerdem würden ihm getrocknete Kartoffeln eine lange Frischhaltung verleihen.

Im Wikingerbrot sorgen Kartoffeln für lange Frische. Eine Kreation der Bäckerei Schmidt aus Silberstedt. Foto: Bäckerei Schmidt

Die Vollkornbäckerei Kornkraft aus Schinkel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat gleich sieben Brote eingereicht. Besonders stolz ist Inhaber Dieter Schlieger-Halver auf sein Kornkraft Hafer-Dinkel. „Durch die Zugabe von vorgegarten Haferkörnern bleibt das Brot sehr lange saftig“, sagt er.

Das Kornkraft Hafer-Dinkel aus der Vollkornbäckerei in Schinkel. Foto: Bäckerei Kornkraft

Wie sehr das Brot Kulturbotschafter sein kann, zeigt eine Schöpfung von Martin Jeß aus Hohenlockstedt (Kreis Steinburg).  „Mein Brot greift die Partnerschaft unserer Stadt mit der finnischen Gemeinde Lapuan auf“, erklärt er.  Denn der Name des Mischbrots „Lapuan Kulta“ bedeutet übersetzt „das Gold Lapuans“ (in Anspielung auf eine finnische Biermarke). Bei  den Finnen komme das krustig, knackige Erzeugnis, dem eine Gewürzmischung aus Kümmel,  Anis und Koriander eine besondere Note verleiht, sehr gut an.

Das Mischbrot „Lapuan Kulta“ aus der Bäckerei Soth in Hohenlockstedt greift die Partnerschaft mit der finnischen Gemeinde Lapuan auf. Foto: Bäckerei Soth

Die vollständige Liste mit über 3000 erfassten Broten ist unter www.brotregister.de einsehbar. Mehrere Instanzen entscheiden darüber, ob das Brot zunächst in die nationale Liste immaterieller Kulturgüter aufgenommen wird, als nächstes im April der Berliner Senat. Konkurrenz machen den Bäckern vor allem die deutschen Bierbrauer, die ebenfalls um eine Aufnahme kämpfen. In die internationale Auswahl der Unesco könnte das Brot laut Bäcker-Verband frühestens 2017 aufgenommen werden.

Immaterielles Weltkulturerbe

Neben Bauten zeichnet die Unesco seit 2001 auch immaterielle Güter als  Kulturerbe aus. 151 Staaten haben bereits 290 kulturelle Ausdrucksformen anerkennen lassen, dazu zählen unter anderem Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturheilkunde und Handwerkstechniken. Deutschland ist dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes zum 9. Juli 2013 beigetreten. Bislang wurden nur Vorschläge für Kulturgüter eingereicht, über die Anträge entscheiden mehrere Instanzen auf nationaler und internationaler Ebene.

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