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Wetter : Der Winter treibt seltsame Blüten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für die Jahreszeit ist es eigentlich viel zu warm. Die Natur spielt verrückt: Zweige zeigen erste Knospen und Vögel zwitschern wie im Frühling. Die Landwirte hingegen haben bislang kein Problem.

Kiel | Der Frühling scheint bereits ausgebrochen. Die ersten Blütenknospen sind gesichtet, von Frost keine Spur und bei Temperaturen um die zehn Grad lässt es sich schon fast wieder draußen in den Cafés aushalten.

Tatsächlich war dieser Winter bisher ungewöhnlich mild, bestätigt Diplom-Meteorologin Claudia Kahl von WetterWelt in Kiel. Der Dezember war mit fünf Grad im Durchschnitt rund drei Grad zu warm, und der Januar ist mit seinen Temperaturen um die zehn Grad bereits fünf Grad über dem normalen Mittel. Und es wird sogar noch mehr: „Heute und morgen knacken wir die Zehn-Grad-Marke“, so die Expertin.

Grund für diesen milden Winter seien permanente Tiefdruckgebiete vom Nordatlantik. Ihre Tiefausläufer bringen stetig feucht-warme Luft aus Südwesten mit sich, erklärt Kahl – und das nun schon seit Wochen. Doch ab Montag könnte es laut der Wetterexpertin mit dem verfrühten Frühling vorbei sein. „Eine Kaltfront ist bereits auf dem Weg zu uns.“ Ob diese allerdings den vermissten Winter bringe, darüber könne die Meteorologin noch keine Angaben machen. Abschreiben würde sie den Winter aber noch lange nicht.

Ein Nebeneffekt dieser warmen Winde ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Stürmen. Vor allem der Kreis Pinneberg war betroffen: Erst gestern hat eine Windhose auf einem Reiterhof in Wedel für Zerstörung gesorgt. Ein mehrere Tonnen schwerer Stall wurde durch eine Böe einige Meter in die Luft gehoben und riss dabei noch einen Bauwagen mit. Am Freitagabend fegte bereits eine Windhose mit Böen der Stärke 10 durch Barmstedt. Ein etwa 15 Meter hoher Baum fiel dabei auf ein Haus und begrub ein davor stehendes Auto unter sich.

Während die Gefahr von starken Winden weiter bestehe, stellt das feucht-warme Wetter für die Landwirte kein größeres Problem dar: „Wir erwarten trotz der Wärme eine durchschnittliche Ernte“, sagte Daniela Rixen, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Schließlich seien die Kulturen bereits an solche Temperaturschwankungen angepasst. Man müsse einfach damit rechnen, dass die Jahreszeiten nicht immer wie gewohnt kommen.

Auch Klaus Dahmke vom Bauernverband sieht die Ernte nicht in Gefahr. Das Wintergetreide wie Raps, Weizen und Gerste werde zwar durch erhöhte Temperaturen in seiner Winterruhe unterbrochen, doch Einbußen gebe es dadurch noch lange nicht. Und die Tiere? Schließlich beschert das Wetter derzeit auch hohe Niederschlagswerte und somit matschige Koppeln. Doch das Vieh sei im Winter ohnehin mehr im Stall, als draußen, so Dahmke. Die Hufe bleiben also von dem feuchten Boden verschont.

Betriebe mit beheizten Gewächshäusern könnten sogar noch von der warmen Luft profitieren. „Die Gewächshäuser mussten bisher nicht so stark beheizt werden. Es kann gut sein, dass hier Geld gespart wird“, meint Rixen.

Darauf kann der Bürger indes noch nicht zählen. Für Privathaushalte rechnet die Verbraucherzentrale derzeit noch nicht mit einer großen Rückzahlung. Schließlich wisse man nicht, wie sich die Energiepreise entwickeln und das Heizjahr gehe noch bis April/Mai, so der Sprecher der Verbraucherzentrale Thomas Hagen. Ganz ausschalten müsse man seine Heizung ohnehin nicht, denn an den meisten Geräten sei ein Thermostat angebracht, der die Temperatur automatisch regle. Natürlich werde dort derzeit weniger Brennstoff eingesetzt, doch Hagen rechnet noch mit dem großen Wintereinbruch: „Bloß nicht zu früh freuen, der wird uns sicherlich nicht verschonen. Und dann müssen wir wieder ordentlich heizen“.

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erstellt am 07.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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