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Orkantief „Xaver“ in SH : Der glückliche Irrtum der Meteorologen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Kleine Änderung, große Wirkung“: Der Meteorologe Meeno Schrader erklärt, warum „Xaver“ Schleswig-Holstein nicht so stark traf, wie er erwartet hat.

Hinter Wetterexperte Meeno Schrader (Foto) liegen lange Tage voller Prognosen und Analysen zu Sturm „Xaver“. Und die fallen durchaus selbstkritisch aus. „Wir hatten noch am Mittwoch Sturmböen in der Stärke von 200 km/h erwartet – zumindest an den Küsten. Es sind aber auf Sylt offiziell nur Böen von 150 km/h gemessen worden. Zum Glück kam es nicht so schlimm wie wir erwartet haben. Da habe ich mich gern geirrt“, sagt der Chef von wetterwelt.de in Kiel. Allerdings seien die Prognosen fürs Landesinnere eingetroffen. „Wir hatten 130 bis 160 km/h vorausgesagt – am Ende wurden in Kiel 130 gemessen, in Glücksburg-Meierwik aber sogar 160 km/h. Da waren wir also gar nicht so schlecht.“

Dass die Prognose nicht ganz eingetroffen ist, liege daran, dass der Kern von Sturmtief „Xaver“ ein „bisschen weiter an Schleswig-Holstein vorbeigezogen ist als erwartet“, sagt Schrader. „Kleine Änderung, große Wirkung.“ Eigentlich sollte der Kern des Tiefs, in dem keine Winde wehen, gestern Mittag bei der schwedischen Insel Öland liegen, tatsächlich lag er aber bei Stockholm. Die Ränder des Tiefs, das einen großen Radius von rund 500 Kilometern hatte, haben sich daher mitverschoben. Denn dort entstehen die heftigsten Windböen. „Die haben Norwegen, Schweden und Dänemark eine volle Breitseite verpasst,. In Jütland wurden Böen mit 186 km/h Windgeschwindigkeit gemessen“, sagt Schrader. Da sei er mit seinen Prognosen „gar nicht so weit entfernt“ gewesen.

Hätte das Tief seine Richtung nicht geändert, wären auch im Süden Schleswig-Holsteins stärkere Böen und größere Schäden zu erwarten gewesen, so der Wetterexperte. „Und auch Teile Niedersachsens sind so einigermaßen verschont geblieben.“

Landespolizeisprecher Lothar Gahrmann ist sich dagegen „nicht sicher, ob der Sturm nicht ein bisschen überbewertet worden ist – von allen, die wir da sind“. Allerdings habe es durch die frühzeitigen Warnungen weniger Verkehr und damit auch weniger Unfälle auf den Straßen gegeben.

Gestern hat der Wind bereits nachgelassen, die Sturmfluten an den Küsten sind schwächer ausgefallen als erwartet. Doch komplette Entwarnung will Meeno Schrader nicht geben, der Wind kann heute noch Stärke sechs erreichen. „Dazu strömt eine Menge kalte Luft zu uns, es gibt Schnee.“ Wenn die Graupel auf den Straßen gefrieren, werde es glatt. Zumindest heute sollten Autofahrer deswegen vorsichtig sein. Erst morgen kehrt die Ruhe nach dem Sturm ein. Zwar mit neuen Winden, aber dafür soll es mit Temperaturen bis zu sieben Grad deutlich wärmer werden. Schrader: „Dann ist der Spuk komplett vorbei.“

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