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Der Fall Reemtsma: 33 Tage im Kellerverlies

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

33 Tage und Nächte – selten war ein Entführungsopfer in Deutschland so lange in der Hand seiner Entführer. Im Keller eines Hauses in Garlstedt (Landkreis Osterholz, Niedersachsen) hielten Thomas Drach und drei Komplizen den damals 42-jährigen Hamburger Tabakkonzern-Erben Jan Philipp Reemtsma mehr als einen lang Monat gefangen.

Am Abend des 25. März 1995 überfallen die Entführer den Multimillionär auf seinem Grundstück in Hamburg-Blankenese. Sie hinterlassen einen Brief, beschwert mit einer Handgranate: Sie fordern 20 Millionen Mark – und dass Polizei und Presse nicht einbezogen werden. Dennoch ist die Polizei von Beginn an involviert, und mehr und mehr Journalisten erfahren von der Entführung. Sie halten sich jedoch an die Abmachungen und verzichten bis zu Reemtsmas Freilassung auf die Berichterstattung.

Acht Tage später scheitert ein erster Versuch, das geforderte Lösegeld zu überreichen – die Geldboten, Reemtsmas Frau und Anwalt Gerhard Schwenn, verspäten sich. Auch der zweite Versuch läuft schief: Schwenn und eine Polizeibeamtin verspäten sich an der Grenze – die getarnte Polizistin hat ihren Pass vergessen. Niemand holt das Geld ab.

Dann, am 24. April, klappt es endlich, ohne Mitwirken der Polizei: Soziologieprofessor Lars Clausen aus Kiel und der Hamburger Pastor Christian Arndt, Freunde des Entführten Jan Philipp Reemtsma, stellen ein Auto mit 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken auf einem Feldweg bei Krefeld (Nordrhein-Westfalen) ab, kurz darauf holen die Entführer das Geld.

Zwei Tage später, am 26. April, lassen die Entführer Reemtsma laufen. Drach und seine Komplizen bringen ihn in einen Wald bei Hamburg-Harburg. Sofort beginnt die Suche nach den Tätern, zwei schnappt die Polizei bereits einen Monat später in Spanien, ein weiterer stellt sich 1998. In diesem Jahr geht auch Drach den Fahndern ins Netz – in Argentinien.

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