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Ahrensburger Rathaus : Denkmalschutz für einen Betonklotz

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Ahrensburger Rathaus soll ein „Kulturdenkmal besonderer Bedeutung“ sein – obwohl sich der kulturelle Reiz nicht allen sofort erschließt. Die Stadt befürchtet jetzt hohe Folgekosten.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 19:59 Uhr

Ahrensburg | „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Das ist die zentrale Frage, an der sich in Ahrensburg (Kreis Stormarn) seit Monaten die Geister scheiden. Es geht um das Rathaus, ein Betonbau aus dem Jahr 1970, der vielen Menschen ein Dorn im Auge ist und der gemeinhin als hässlicher grauer Klotz empfunden wird. Ausgerechnet den will das Landesamt für Denkmalpflege ins Denkmalbuch eintragen. Die Stadt hat kaum Chancen, dagegen anzugehen: Wenn sie nicht selber den Denkmalschutz beantragt, was eventuell Fördermittel aus privaten Stiftungen einbringen könnte, wird er von der Behörde übergestülpt. Einziger Ausweg wäre ein Widerspruch der zuständigen Ministerin Anke Spoorendonk (SSW). Doch die denkt gar nicht daran, ihr Veto einzulegen. Bei einem Besuch in Ahrensburg machte sie jetzt unmissverständlich deutlich: „Wenn alles für Denkmalschutz spricht, kann ich das nicht aus sachfremden Überlegungen infrage stellen.“ Damit sind alle Hoffnungen vor allem der lokalen CDU-Politiker wie eine Seifenblase geplatzt.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Für Astrid Hansen vom Landesamt vereint das Rathaus in beeindruckender und moderner Weise den klassischen Rathausbau mit Turm mit einem modernen Verwaltungsbau, einem Hochhaus, das sich aus einem Flachbau heraus entwickelt. Architekt Karl-Heinz Scheuermann aus Ahrensburg habe es verstanden, moderne mit traditionellen Materialien zu verbinden und habe ein beeindruckendes Pendant zum Schloss geschaffen. Stadtsprecher Andreas Zimmermann hat da eine etwas andere Sichtweise: „Hübsch ist es natürlich nicht, aber das war damals der Zeitgeist.“

Im Rahmen des Anhörungsverfahrens beauftragte die Stadt Ahrensburg Ende vergangenen Jahres einen Gegengutachter, um mit dessen Hilfe gegen die Unterschutzstellung argumentieren zu können. 20 000 Euro ließen sich die Ahrensburger die Expertise von Dr. Olaf Gisbertz kosten. Doch diese Investition erwies sich als Flop. Der Wissenschaftler von der TU Braunschweig sprach sich ausdrücklich für den Denkmalschutz aus, weil das Rathaus technisch und historisch ein Kulturdenkmal besonderer Bedeutung sei und von enormem künstlerischen Verständnis zeuge. Als architektonisches Symbol der Urbanität erinnere es an die Formensprache Mies van der Rohes. Die Ausstattung mit Palisandervertäfelung und Teakholzfenstern sowie die Lampen von Arne Jacobsen oder Professor Christian Ludwig Tümpel zeugten von der hohen Bauqualität. Er forderte die Ahrensburger Politiker auf, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, und den Denkmalschutz selber aktiv voranzutreiben. Nur dann bestehe eine Chance auf Fördermittel.

Eigentlich hätte die Fassade des Verwaltungssitzes mit Millionenaufwand saniert werden sollen. Die Aufträge für den Bau neuer Fluchtwege waren bereits vergeben worden. Das hat Bürgermeister Michael Sarach erst mal gestoppt. Ein zusätzliches Außentreppenhaus hätte die Fassade irreversibel beschädigt. Gutachter Gisbertz hatte dargelegt, dass die Auflagen des Brandschutzes auch durch einen Umbau des inneren Treppenhauses erfüllt werden könnten.

Kritiker der Denkmalschutz-Pläne befürchten, dass sie die Stadt zukünftig teuer zu stehen kommen werden und die Kommune in ihrer Entscheidungsfreiheit einschränken werden. CDU-Fraktionsvorsitzender Tobias Koch kritisiert: „Wenn in 30, 40 Jahren der Beton bröckelt, könnten enorme Kosten auf uns zukommen. Schon bei Umbauten wird es hohe Auflagen geben.“ Es wird befürchtet, dass der Denkmalschutz auch bei städtebaulichen Beschlüssen im Umfeld des Rathauses beteiligt werden muss.

Alternativ war in Ahrensburg diskutiert worden, dass Rathaus abzureißen, das Filetgrundstück in der Innenstadt zu verkaufen und an anderer Stelle einen Neubau zu errichten. Diese Überlegungen erteilt Bürgermeister Sarach eine Absage. „Das kann man vielleicht machen, wenn man Geld hat, aber nicht, wenn die Stadt pleite ist.“

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