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Ländlicher Raum : Den Feuerwehren geht das Personal aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in ländlichen Regionen ist besonders an Werktagen gefährdet. Immer weniger Menschen haben Zeit - oder Lust - auf die manchmal unbequeme Verantwortung.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 19:47 Uhr

Kiel | Keine Zeit, kein Interesse und Arbeitsplätze fern des Wohnorts – in Schleswig-Holstein gibt es in ländlichen Bereichen immer weniger ehrenamtliche Feuerwehrleute. „Es wird zunehmend schwieriger, genug Einsatzkräfte bereit zu halten“, sagt Holger Bauer, Pressesprecher des Landesfeuerwehrverbands. „Im Jahr 2002 hatten wir 7263 aktive Mitglieder, 2012 waren es nur noch 6531, also 732 weniger“, errechnet Annelie Sievers, Geschäftsführerin des Kreisfeuerwehrverbands Schleswig-Flensburg. „Wir haben ganz klar Mitgliederprobleme“, erklärt Kreisbrandmeister Christian Albertsen vom benachbarten Kreisverband Nordfriesland. Im gleichen Zeitraum sank dort die Zahl von 5671 um 395 auf 5276 Aktive. Im Süden ist die Tendenz ähnlich. Im Kreis Steinburg verminderte sich allein von 2006 bis 2012 die Zahl der Einsatzkräfte um 265 auf 3413.

Ursache für den Mitgliederschwund im ländlichen Bereich ist nicht nur der demografische Wandel, infolge dessen die Zahl der jüngeren Menschen ab- und die der älteren zunimmt, so Bauer. „Den jungen Leuten geht es neben der zunehmenden Belastung durch die Schule vermehrt um Spaß und Sport. Bei der Feuerwehr ist es aber nicht immer nur spaßig. Wenn nachts um drei Uhr der Pieper an geht, dann muss ich los. Da haben viele keinen Bock drauf.“

Ein weiteres großes Problem sind die Anforderungen des Berufslebens. „Die Mitglieder in kleineren Orten arbeiten vermehrt auswärts und sind über den Tag zu Einsätzen einfach nicht da“, sagt Bauer. Von „erschreckenden Tendenzen“ spricht Frank Raether, Kreiswehrführer in Steinburg. „Auf dem Zettel stehen vielleicht 30 Leute, aber werktags von 8 bis 18 Uhr bekommen nur wenige Wehren die geforderten neun Mann für einen Einsatz zusammen.“ Es sei bei Einsätzen schon vorgekommen, dass sich nur drei Leute gemeldet hätten, berichtet der Stormarner Kreiswehrführer Gerd Riemann. „Das muss für jeden ein Alarmzeichen sein.“ Mittlerweile ist es zwar allgemein üblich, an einem Wochentag drei bis vier benachbarte Wehren gleich mit zu alarmieren, doch diese brauchen oft länger als die geforderten zehn Minuten zum Einsatzort. „Das führt zu Zeitverzögerungen“, so Riemann. Zeit, die im Notfall unter Umständen bei der Rettung von Menschenleben verloren geht. „Da bekommt man schon Bauchschmerzen.“

„Sicher gibt es Tendenzen in einigen Gemeinden, die die Situation ein Stück weit verschärfen“, so Gerhard Brüggemann, Referatsleiter für Feuerwehrwesen und Katastrophenschutz im Kieler Innenministerium. Doch die Feuerwehr sei nun einmal Sache der Kommunen. Man habe bereits vor fünf Jahren einen Feuerwehrbedarfsplan erstellt, anhand dessen die Gemeinden ihre Leistungsfähigkeit überprüfen und sich anpassen könnten.
 

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