Das stinkt nicht mehr zum Himmel

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Grünen-Minister Habeck und Bauernpräsident Schwarz wollen gemeinsam Gewässer schützen – dabei kommt auch neue Gülle-Technik zum Einsatz

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17. Juli 2014, 11:54 Uhr

Die Gülle ist ausgebracht, und zu riechen ist: nichts. Keine dicke Luft mehr auf dem Land – das hat dem Treffen von Landwirtschaftminister Robert Habeck und Bauernpräsident Werner Schwarz gestern auf einem Feld bei Timmaspe (Kreis Rendsburg-Eckernförde) einen gewissen Symbolwert verliehen.

Der grüne Minister und der Verfechter der Agrarwirtschaft haben sich angenähert. Seit anderthalb Jahren feilen sechs Arbeitsgruppen an Empfehlungen, um die Überdüngung der Gewässer zu stoppen. Nun wurden die Ergebnisse dieser „Allianz für Gewässerschutz“ präsentiert. Dabei wurde klar: Beide Seiten wird das Geld kosten.

„Mir ist es das wert“, sagt Habeck. „Der Schutz der Gewässer und des Grundwassers ist eine Pflicht, die wir auch gegenüber künftigen Generationen haben.“ Bauernpräsident Schwarz erklärt: „Die Sache fordert von uns erhebliche Zugeständnisse. Da kommt nicht nur Freude auf.“

Künftig sollen die Landwirte beim Düngen einen mindestens zehn Meter breiten Randstreifen um Gewässer von übergeordneter Bedeutung lassen. Die Maßnahme erfolgt auf freiwilliger Basis, in den kommenden zwei Jahren sollen auf diese Weise an 600 der 1200 Gewässer-Kilometer Schutzzonen gegen Nährstoffe und Herbizide entstehen.

Für die ungedüngten Flächen erhalten die Landwirte eine Entschädigung, die sich nach dem Wert des Grunds errechnet. „Umweltschützer kritisieren mich für diese Zahlungen“, gibt Habeck zu. „Mir ist es das aber wert, weil wir gemeinsam mit den Landwirten etwas erreichen.“ Bauernpräsident Schwarz betont, er habe keine Bedenken, dass die Ziele umgesetzt würden. „Jeder Landwirt weiß: Sollte es mit der Freiwilligkeit nicht klappen, gibt es Gesetze.“

Die zweite Säule des Gewässerschutzes ist die verbesserte Ausbringung des Düngers. Flog die Gülle bisher von einem Prallteller hinterm Tank aufs Feld, zeigt Lohnunternehmer Jens Honermeier aus Gnutz, was heute möglich ist: Ein sechs Meter breiter Injektor drückt sie geruchsneutral ins Erdreich. „Die Nährstoffe gelangen direkt ans Wurzelwerk, Überdüngung wird vermieden“, sagt Habeck. Für die High-Tech-Düngung berechnet Honermeier pro Stunde allerdings 125 Euro. Mit dem herkömmlichen Prallteller werden nur 95 Euro fällig. „Dem Landwirt entstehen Mehrkosten, ohne Förderung werden sich das nicht alle Unternehmen leisten können“, warnt Schwarz.

Die dritte Säule: Mittels einer Güllebörse soll der Dünger im Land verteilt werden. Schwarz: „Entlang der Hohen Geest gibt es intensive Rinderhaltung und viele Biogasanlagen, bei denen Gärreste anfallen. Hat ein Landwirt mehr Gülle als seine Flächen vertragen, kann er sie an Betriebe verteilen, die derzeit noch mineralischen Dünger verwenden.“

Umweltschützer kritisieren, was die „Allianz für Gewässerschutz“ erreicht hat. BUND-Landesgeschäftsführerin Ina Walenda hat mitverhandelt und ist enttäuscht: „Habeck setzt wie seine Vorgänger auf Freiwilligkeit, anstatt auf Gesetze. So wird er die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zum guten ökologischen Zustand der Gewässer niemals erreichen.“ Habeck selbst bestätigt das: „Wir werden es nicht schaffen, und die EU wird ein Vertragsverletzungsverfahren anstreben.“ Die Folge werde sein, dass die Landwirte danach „ohne Übergang die Härte von Bundesgesetzen“ zu spüren bekämen.

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