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Das ausgebremste Wirtschaftsland

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erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Kiel | Längst geht es nicht mehr nur um die Fragen nach politischer Verantwortung und zeitweiligen Ausweichrouten. Seit zwei Wochen ist die Rader Hochbrücke gesperrt - und Experten aus Industrie und Wirtschaft warnen, dass der Standort Schleswig-Holstein zunehmend in Gefahr gerät.

Denn das Bild vom Norden hat im Rest der Republik längst Risse bekommen. Bereits jetzt ist absehbar, dass die Schäden für die Wirtschaft in die Millionen gehen werden. Erste Unternehmen ziehen bereits Konsequenzen aus der angespannten Verkehrssituation. Und auch die viel diskutierte Energiewende erhält einen gewaltigen Dämpfer.

Zwei größere Logistikbetriebe aus dem Norden haben Thomas Rackow zufolge bereits ihre Standorte von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen verlagert. Die Großen hätten meist ein gutes Gespür bei langfristigen Entwicklungen, so der Geschäftsführer der Fachvereinigung Spedition und Logistik Schleswig-Holstein.

Den Logistiker Voigt in Neumünster, eines von zwei Unternehmen im Land, das Lang-Laster einsetzt, trifft dies in besonderer Weise. Eine Route der überlangen Gespanne führte bislang über den Kanal. Jetzt aber muss der sogenannte Gigaliner stehen bleiben. Auf Alternativrouten gen Norden kann das Unternehmen nach eigenen Angaben nur mit seinen normalen Lastwagen fahren.

An der Tourismus-Front sieht es kaum besser aus. Auch Gäste wollen bewegt werden - und nicht im Stau stehen. "Unsere Bus unternehmen aus dem touristischen Bereich sind ganz erheblich betroffen von der Sperrung", sagt Joachim Schack vom Omnibusverbandes Nord (OVN). Selbst wenn der Kanaltunnel in Rendsburg vollständig freigegeben werde, sei das kein Königsweg. "Der Schaden ist bereits da. Ich weiß von einer Reihe von Unternehmen, bei denen Fahrten storniert worden sind", sagt Schack.

Auch Schleswig-Holsteins Nachbarn bekommen die Probleme zu spüren. "Bislang bemühen sich die Unternehmen noch nicht um Alternativrouten, da die Umstellung auf neue Verkehrswege zu kostspielig ist", schilderte eine Sprecherin der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen die Situation beim Nachbarn im Norden. "Der Transport über die Route Rødby-Puttgarden ist nur eine Alternative für Transportlieferungen aus Seeland, für Transporte aus Jütland ist der Umweg zu groß", sagt sie mit Blick auf den nördlichen und südlichen Teil Dänemarks.

Wer in diesen Tagen mit Unternehmensverbänden und Wirtschaftsförderern im Land spricht, bekommt viel Lob für die Regierung in Kiel zu hören - dafür, wie sie das Thema inzwischen anpacke. Auch Pascal Ledune, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Rendsburg-Eckernförde, äußert sich so. Zugleich verschweigt er eines nicht: "Im Wettbewerb der Standorte ist es so, dass Unternehmen eine perfekte Infrastruktur erwarten."

Kaputte Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal, einstürzende Molen im Marinehafen von Eckernförde und eben die gesperrte Rader Hochbrücke - zuletzt sorgte der Norden vor allem mit solchen Geschichten für Schlagzeilen. Ledune betont aber: "Die Probleme in der Infrastruktur gibt es nicht nur in Schleswig-Holstein."

Die Situation mit der Rader Hochbrücke sei zunächst einmal ärgerlich, sagt auch Martin Kruse, Verkehrs experte der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein. Problematisch könne es ihm zufolge daher nicht jetzt, aber in der Zukunft werden: "Wenn das häufiger auftritt, ist das etwas, was Schaden hinterlässt."

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