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Dakosy - das Elektronenhirn des Welthafens

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erstellt am 14.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Es gibt wahrlich nicht viele Unternehmen in Hamburg mit einer derart zentralen Bedeutung. "Wenn unser System eine Stunde nicht läuft, ist daddeldu. Dann kommt der Hafen zum Erliegen", sagt Ulrich Wrage, Vorstand des Datenspezialisten Dakosy AG. Reeder, Terminalbetreiber, Spediteure, Zoll, Polizei und viele, viele mehr: Sie alle tauschen über Dakosy-IT-Plattformen sämtliche Angaben zum Im- und Export von Waren sowie behördliche Anmeldungen - schnell, zuverlässig, papierlos. Ergebnis ist ein weitgehend reibungsloser Informationsfluss in Deutschlands größtem Hafen. Insgesamt rund eine Viertelmilliarde Vorgänge pro Jahr.

Dakosy ist ein weithin unbekannter Gigant, ohne den das komplexe Geflecht aus Umschlagbetrieben, Reedern, Schiffen, Speditionen, Zügen und Lkw-Fahrern nicht zu entwirren wäre. "Jeder Container läuft mindestens einmal über unser System", sagt Wrage. Pro Jahr sind das neun Millionen Boxen. Dakosy vernetzt mehr als 2000 Unternehmen, erwirtschaftet mit 220 Mitarbeitern - einschließlich der Bremer Tochter CargoSoft - einen Umsatz von 26 Millionen Euro. Hinter der Aktiengesellschaft stehen als Gesellschafter die wichtigsten Player der Hamburger Seehafenwirtschaft, von Terminalgrößen wie HHLA und Eurogate über Reedereien wie Hapag-Lloyd bis zu Logistikfirmen wie Kühne & Nagel.

Das Elektronenhirn des Datenvermittlers steht am Unternehmenssitz an der Mattentwiete in der Hamburger Altstadt. Ein Backup-Rechenzentrum in Langenhorn sorgt dafür, dass Systemausfälle keinen Schaden anrichten.

Praktisch funktioniert die maritime Kommunikation so: "Wenn ein Schiff die Deutsche Bucht erreicht, sendet es das Import-Manifest an unsere Port Community-Plattform", erläutert Co-Vorstand Dieter Spark. Lange bevor der Frachter in Hamburg anlegt, gehen automatische Meldungen unter anderem an Behörden (Zoll, Wasserschutzpolizei, Veterinäramt), Schiffsagenten und die Hafenbehörde HPA. Zeitgleich erhält der Spediteur für den Weitertransport die Informationen, wann seine Container gelöscht werden. Lkw können den Kai dann punktgenau ansteuern, wobei inzwischen auch eine mobile Trucker-App hilft.

Jüngstes Kind der D¬ten-Vermittler ist eine Plattform, die ein drängendes Problem gerade des Hamburger Hafens lösen soll. PRISE (Port River Information System Elbe) bündelt und verteilt Informationen zu den An- und Auslaufzeit besonders großer Schiffe mit einer Breite von mehr als 38 Metern. Schlepperunternehmer, Lotsen, Reeder und Umschlagbetriebe wissen dann schon Tage im Voraus, wann es Begegnungskonflikte in der engen Fahrrinne geben könnte. Kommen zwei Containergiganten nicht aneinander vorbei, kostet das viel Zeit, Geld und Nerven. Spark: "Die Beteiligten können künftig rechtzeitig reagieren und die Verkehre so steuern, dass es erst gar nicht zu Konflikten kommt." PRISE läuft im Pilotbetrieb und soll ab August zur Verfügung stehen.

In solchen intelligenten Datenplattformen sieht Wirtschaftssenator Frank Horch den Ausweg schlechthin aus den immer größeren Verkehrsproblemen auf der Elbe, aber auch auf Straße und Schiene. Anlässlich eines Besuchs bei Dakosy sagte er: "Die Vernetzung von Informationen ist essenziell für die Zukunft des Hamburger Hafens."

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