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Cyberkriminelle legten im Amt Südtondern alles lahm

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Durch das Kapern von Telefonanlagen richten Hacker in schleswig-holsteinischen Firmen immer häufiger hohe Schäden an. Mit speziellen Programmen suchen sie nach installierten Anlagen und dringen ins Servicemenü vor, um teure Rufumleitungen einzurichten.

„Eine große Schwierigkeit bei unseren Ermittlungen ist, dass diese Vorfälle oft erst mit der folgenden Telefonrechnung und damit sehr spät bemerkt werden“, sagt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel. „Mit fortschreitender Zeit sinkt jedoch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Ermittlung der Täter. Wir raten daher zur sofortigen Anzeigenerstattung.“

Während die Hacker versiert vorgehen und zum Beispiel ihre Telefonnummern oder IP-Adressen verschleiern, sind viele Nutzer von Telefonanlagen zu blauäugig. LKA-Sprecher Jung: „Passwörter wie ,1234‘ oder ,0000‘ für den Voicemail-Zugang bieten keinen Schutz, jede Firma sollte die ab Werk eingestellte Ziffernfolge ändern.“

Genau das aber hatte das Amt Südtondern getan, das im Juli zum Opfer einer solchen Attacke geworden ist. „Die Angreifer haben es trotzdem geschafft“, sagt Amtsdirektor Otto Wilke. Sie programmierten sogar die Anlage um, wählten Häkchen vor den Sicherheitseinstellungen ab. Wie ist noch unklar. Laut Landeskriminalamt nutzen die Täter auch Sicherheitslücken in der Telefonanlagen-Software, greifen über die Fernwartung zu oder setzen Schadsoftware ein. Jung: „Hiervor kann man sich durch regelmäßige Updates, Antivirensoftware und Firewalls sowie professionelle Betreuung der IT-Infrastruktur schützen.“

Besonders dreist: In einigen Fällen sind die Rufumleitungen zu Wochenbeginn deaktiviert worden, um sie am folgenden Wochenende wieder aktiv zu schalten. Das war in Südtondern nicht der Fall. „Die Hacker haben nach dem Angriff alles totgelegt, Telefone und Computer“, sagt Lars Feddersen, IT-Sachgebietsleiter. „Vermutlich, um ihre Spuren zu verwischen.“ Mittlerweile hat das Amt seine Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Voicemail-Funktion ist von außen nicht mehr zu erreichen, Anrufe sind nur noch innerhalb Europas möglich und die Telekom schlägt bei ungewöhnlichen Aktivitäten sofort Alarm.

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erstellt am 22.Aug.2014 | 17:17 Uhr

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