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Mobbing im Internet : Cyber-Mobbing beginnt schon in der Grundschule

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Jugendliche nutzen das Internet unkontrolliert. Soziale Netzwerke machen Mobbing einfacher. Viele Eltern wissen nicht, was ihre Kinder im Netz treiben.

Kiel | Geärgert, gedisst, denunziert: Zehn Jahre alt ist Kevin Peters (Name von der Redaktion geändert) und schon Cyber-Mobbing-Opfer. Irgendwann hält er den Druck nicht mehr aus, vertraut sich seinen Eltern an: „Da hat jemand bei Facebook ein Profil von mir angelegt – aber das ist nicht von mir.“

Hilfe sucht der Junge beim Rendsburger Anwalt Sven-Bryde Meier, der sich auf Kriminalität im Internet spezialisiert hat. „Es gibt immer mehr Fälle“, sagt er. Dazu sei die Intensität gestiegen mit der gemobbt wird. Täter und Opfer werden jünger. „Wir haben auch bei manchen Grundschülern ein Cyber-Mobbing-Problem“, sagt Gyde Hansen aus dem Sozialministerium in Kiel. Deswegen hat ihr Haus mit der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) für Erziehungsberatung gestern den ersten landesweiten Fachtag im Kieler Landeshaus veranstaltet, in dem über 100 Erziehungsberater über den richtigen Umgang mit Medien informiert worden sind.

„Der Beratungsbedarf hat zugenommen“, sagt Matthias Heinsohn-Krug, Vorstand der LAG. Immer mehr Jugendliche nutzen das Netz unkontrolliert. Über 88 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland surfen im eigenen Zimmer im Internet, der Anteil derer, die ein Smartphone besitzen ist von 49 Prozent im Jahr 2012 auf 72 Prozent im Jahr 2013 gestiegen.

„Die Mehrzahl der Jugendlichen kommt mit den Online-Medien klar“, sagt Psychologe Jochen Wahl, der gestern einen Vortrag über das Thema gehalten hat. Es gebe aber auch zwölfjährige Mädchen, die sich auf Pornoseiten „informieren“, was Jungs scheinbar gern haben. „Da ist es ein Problem, wenn Eltern nicht wissen, was ihre Kinder so im Netz treiben.“

Wichtig sei es, ins Gespräch zu kommen, meint Wahl. „Es bringt nichts, nur den Stecker rauszuziehen.“ Und auch die Erziehungsberater müssen sich besser auskennen, um mitreden zu können. Immer häufiger wird ihr Rat gesucht, wenn die Jugendlichen ständig vor dem Computer sitzen, deswegen schlechter in der Schule werden oder reale Freunde vernachlässigen. „Manchmal hilft schon eine Beratung, um auf den richtigen Weg zu kommen“, sagt Marijke Kaffka-Backmann vom Diakonischen Werk, die die Beratungen organisiert. „Internet gehört zu unserer Lebenswirklichkeit, wir müssen nur den Umgang damit lernen.“

Wie das gehen kann, zeigt Sven-Bryde Meier. Er hat zu Hause Gutscheine für Mediennutzung verteilt, auch für seinen 15-jährigen Sohn. „Es geht darum, dass man sich selbst begrenzt, dass man auch mal abschalten kann.“ Denn Meier weiß aus seiner täglichen Arbeit, was die Folgen von falschem Medienkonsum sein können. Während ihn früher hauptsächlich Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen beschäftigten, sind es nun Konflikte in sozialen Netzwerken – wie etwa durch Cyber-Mobbing. „Das ist rapide angestiegen.“ Gemobbt würden Kinder und Jugendliche, die auch im realen Leben Opfer würden. „Aber im Netz fällt es den Tätern leichter, jemanden zu beleidigen, weil er demjenigen nicht gegenübertreten muss.“ Einige glaubten, dass die Anonymität sie schütze, doch die meisten Mobber geben sich ihren Opfern zu erkennen.

Wer Kevin Peters gemobbt hat, bleibt unklar. Meier versuchte, an Facebook heranzutreten, und die Eltern der Klassenkameraden wurden über die falsche Seite informiert. Einige Tage später sie die aus dem Netz verschwunden.

www.lag-eb-sh.de oder www.dialog-internet.de

 

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erstellt am 17.Feb.2014 | 13:36 Uhr

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