CCH wird zum Sanierungsfall - ab 2017 für zwei Jahre geschlossen

<strong>Die Debatten</strong> um das zum Teil marode CCH sind ad acta gelegt. Es wird modernisiert. <foto>dpa</foto>
Die Debatten um das zum Teil marode CCH sind ad acta gelegt. Es wird modernisiert. dpa

shz.de von
30. Juli 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Das Facelifting ist bitter nötig - und es wird teuer: Das Congress Center Hamburg (CCH) soll von 2017 an aufwendig saniert und modernisiert werden. Für die Bauphase von anderthalb bis zwei Jahren muss das erste Kongresszentrum in Deutschland komplett geschlossen bleiben. Über die Einzelheiten der Runderneuerung und die Kosten will der Senat in zwei Wochen entscheiden.

Als das CCH am Dammtorbahnhof 1973 eröffnet wurde, galt es als Krone zeitgenössischer Kongress-Architektur. Doch der verwinkelte Betonbau ist in die Jahre gekommen, das Grau der Fassade und die unvorteilhafte Aufteilung im Inneren genügen heutigen Ansprüchen nicht mehr vollständig.

Noch zählt sich Hamburg zu den führenden Kongressstandorten in Deutschland, ja in Europa. So gingen in diesem Jahr am Dammtor unter anderem die Groß-Veranstaltungen Evangelischer Kirchentag und das Welttreffen des Lion Clubs erfolgreich über die Bühne. Dennoch: Die Tendenz ist negativ. 2012 gab es im Congress Center noch 245 Veranstaltungen (Kongresse, Tagungen, Konzerten und anderes), 126 weniger als 2008. Die Zahl der Teilnehmer und Besucher ist seit 2001 von 515 000 auf 332 000 geschrumpft.

Längst hat der einstige Vorzeige-Bau auch den Nimbus als Bühne der Weltstars eingebüßt. Gaben sich einst Maria Callas, Bruce Springsteen, Bob Dylan und ähnliche Größen die Klinke in die Hand, macht diese Künstler-Kategorie nun einen Bogen um das CCH. Auch der "Echo", wichtigster Musikpreis in Deutschland, wanderte nach Berlin ab. Rückschläge gibt es zudem im Tagungsgeschäft. Zuletzt kehrte die VW-Hauptversammlung ihrer langjährigen Hamburger Heimstatt den Rücken.

Ein Grund für die Negativentwicklung ist der bauliche Zustand der Gebäude. Bernd Aufderheide, Geschäftsführer der Hamburg Messe und Congress GmbH, nennt das CCH schon mal einen "alten Kasten". Klimaanlage, Bühnentechnik, Sanitäranlagen, Heizung, Fassade, Teppiche - fast alles ist veraltet und muss ersetzt werden. Sparrunden vergangener Jahre bei Erhaltung und Modernisierung rächen sich.

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hatte schon im vorigen Jahr versprochen: "Das CCH wird revitalisiert und bleibt an seinem jetzigen erstklassigen Standort." Überlegungen für Abriss und Neubau legte der Senat angesichts der leeren Stadtkasse ad acta. Inzwischen haben Experten die 23 Säle (12.500 Sitzplätze) inspiziert und den Bedarf zur Grundsanierung bestätigt. Geplant ist unter anderem, den Ostteil des Altbaus abzureißen und neue Tagungs- und Ausstellungsflächen zu schaffen. Ersetzt werden muss das Vorfahrtsbauwerk an der Marseiller Straße; Kosten allein dafür: 30 Millionen Euro. Auch der Platz vor dem CCH soll umgebaut und aufgefrischt werden.

Was das alles kosten wird und wer es bezahlt, lässt der Senat noch im Dunkeln. Die Summe dürfte deutlich über 100 Millionen Euro liegen.

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