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CCH-Auffrischung für 200 Millionen Euro

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Hamburg | Der Schrecken sitzt tief, das Versprechen lautet: "Bloß keine zweite Elbphilharmonie." Das Finanzfiasko um Hamburgs Prestigebau soll zumindest etwas Gutes haben und dazu führen, dass sich derlei Kostenexplosionen bei öffentlichen Bauvorhaben im Stadtstaat niemals auch nur annähernd wiederholen können. Der immer noch unfertige gläserne Konzerthaus-Tempel, der bei Planungsbeginn auf 77 Millionen Euro veranschlagt war, soll inzwischen mindestens das Zehnfache kosten.

Der amtierende SPD-Senat zieht seine Konsequenzen aus dem Debakel und will sicherstellen, dass größere öffentliche Bauvorhaben nie wieder zum Fass ohne Boden werden. "Kostenstabiles Bauen" heißt das Konzept, für das Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) folgendes Ziel nennt: "Hamburg muss wieder in die Lage versetzt werden, große Bauprojekte kostenstabil und termingerecht zu planen und zu realisieren." Die Stadt dürfe nicht in Großprojekte "hineinstolpern, die irgendwann nicht rückholbar sind".

Schaffen will der Senat das mit klareren Vorgaben schon in der Planungsphase und einer strafferen Organisation. So dürfen nur noch solche Behörden und öffentliche Unternehmen Großvorhaben starten, deren Mitarbeiter dem Bauen und Planen fachlich auch gewachsen sind. Die Kulturbehörde etwa, die bei der Elbphilharmonie weitgehend ahnungslos ins Verderben tappte, gehört nicht dazu. Zusätzlich wird eine Kontrollinstanz geschaffen, die im direkten Umfeld des Bürgermeisters angesiedelt ist. In der Senatskanzlei überwacht nun ein Bauingenieur zentral sämtliche öffentliche Bauvorhaben mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro. Für dieses Monitoring müssen die bauenden Behörden sowie die ausführenden Unternehmen jedes Quartal einen Zwischenbericht vorlegen. Etwaige Kostensteigerungen sollen so sofort auffallen - und möglichst ausgebügelt werden. Lassen sich Verteuerungen nicht vermeiden, stellt das Konzept zumindest sicher, dass Parlament und Öffentlichkeit die unangenehme Wahrheit unverzüglich erfahren. Nie mehr soll es plötzliche Kostensprünge in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe geben können. Was Hamburgs Kostenbremse für öffentliches Bauen wert ist, muss sich nun erstmals in der Praxis zeigen. Bei der geplanten Sanierung des Congress Centrums (CCH) werde das Konzept vom kostenstablien Bauen konsequent angewendet, versprach Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) gestern bei der Vorstellung des Zeitplans. Das 40 Jahre alte Beton-Ensemble am Dammtorbahnhof entspricht nicht mehr den Anforderungen moderner Kongress- und Tagungsveranstalter. Für die aufwändige "Revitalisierung" veranschlagt der Senat knapp 200 Millionen Euro. Das sei aber eben keine endgültige Summe, betonte Horch. Denn nun erst beginnt das Verfahren, das spätere Kostenschocks verhindern soll. Die CCH-Auffrischung, die ohne Geld privater Investoren auskommen muss, wird bis Ende 2014 von den zuständigen Stellen bis ins letzte Detail geplant und erst dann beschlossen, wenn eine wasserdichte Kalkulation vorliegt. Horch: "Wir wollen nicht einfach los bauen, sondern auf einer soliden Grundlage bewerten, wie es mit dem CCH weitergehen soll. Wir werden nicht die Fehler wiederholen, die bei der Realisierung anderer Bauprojekte gemacht wurden."

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erstellt am 14.Aug.2013 | 01:14 Uhr

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