Grenzgebiet zu Syrien : Bundeswehr sorgt sich um Husumer Soldaten in der Türkei

Die Schutzvorkehrungen für die entsandte Flugabwehr-Einheit wurden verschärft. Der Grund ist der Anschlag in Suruc.

shz.de von
28. Juli 2015, 20:45 Uhr

Wegen der sich zuspitzenden Lage im türkischen Grenzgebiet zu Syrien hat die Bundeswehr einen schärferen Schutz für ihre dort stationierten 260 Soldaten angeordnet – unter ihnen 30 vom Flugabwehrraketen-Geschwader in Husum. „In Abstimmung mit den türkischen Streitkräften sind erforderliche Sicherheitsvorkehrungen durch das deutsche Einsatzkontingent ergriffen worden“, sagte ein Sprecher von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Dienstag unserer Zeitung. Was genau befohlen wurde, verriet er nicht. Nur so viel: „Es gibt Auflagen, was Verhaltensweisen, Bekleidung und Ausgang betrifft.“ Die Maßnahmen seien bereits kurz nach dem Anschlag der Terrormiliz IS im türkischen Suruc vor gut einer Woche beschlossen worden.

Am Dienstag hatte zuvor der Reservistenverbands-Chef und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter wegen türkischer Angriffe auf kurdische PKK-Lager die Sorge geäußert, dass PKK-Kämpfer aus Vergeltung nicht nur die Türkei attackieren könnten, sondern „auch Nato-Einheiten“ im Land wie die deutsche „Patriot“-Einheit in Kahramanmaras. Daher müsse die Bundeswehr prüfen, „ob nicht mehr für die Eigensicherung getan werden muss“.

Ex-Nato-General Harald Kujat forderte sogar, ebenso wie die Linkspartei, ein Ende des Einsatzes. Einen Anschlag auf deutsche Soldaten könne „niemand ausschließen, die Bundesregierung schon gar nicht“, warnte Kujat. Nicht ganz so dramatisch sieht der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels die Lage: „Die deutschen Soldaten sind in einer türkischen Kaserne untergebracht und damit so gut gesichert wie die türkischen Soldaten“, sagte er unserer Zeitung. Außerhalb der Kaserne allerdings müssten die Soldaten „sehr vorsichtig sein“.

Ministerin von der Leyen erklärte nach einem Telefonat mit ihrem türkischen Amtskollegen Ismet Yilmaz, sie werde den bis 31. Januar 2016 befristeten Einsatz der deutschen Soldaten „angesichts der Aktualität sehr sorgfältig beobachten“. Zudem habe sie Yilmaz deutlich gemacht, „dass die Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten ein sehr hohes, wichtiges Ziel ist und absolute Priorität haben muss“.

Von den 260 deutschen Soldaten stammt die Hälfte aus dem Flugabwehrraketen-Geschwader der Bundeswehr, das in Husum sowie in den mecklenburgischen Orten Sanitz und Bad Sülze beheimatet ist. Seit Januar 2013 sollen die Soldaten mit ihren „Patriot“-Systemen die Türkei vor syrischen Raketenangriffen schützen. Bisher gab es jedoch keinen.

Ab November wird die Husumer Gruppe wieder mit 75 Leuten das Hauptkontingent stellen. Dort zeigt man sich noch gelassen: „Bislang“, sagte der Husumer Geschwadersprecher Bernd Berns, „haben wir von den Kameraden in der Türkei nichts Verunsicherndes gehört.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen