zur Navigation springen

Bürger wollen Stromnetz kaufen

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Sie planen das ganz große Ding: Umweltbewegte Bürger wollen das Hamburger Stromnetz ganz oder in Teilen zurückkaufen, um die Energiewende zu beschleunigen. "Die Zeit ist reif für eine Übernahme der Netze in Bürgerhand", sagte Matthias Ederhof, Vorstand der vor vier Wochen gegründeten Genossenschaft Energie-Netz Hamburg (ENH) gestern in der Hansestadt.

Ziel ist es, die Ende 2014 auslaufende Konzession für das 27 000 Kilometer lange Stromnetz im Stadtstaat zu übernehmen. Die Leitungen samt Umspannwerken und anderen technischen Einrichtungen hatte der Senat vor 15 Jahren an den schwedischen Staatskonzern Vattenfall verkauft. 2012 erwarb die Stadt 25,1 Prozent an Strom- sowie Gas- und Fernwärmeleitungen wieder zurück.

Hintergrund ist der Volksentscheid zur Rekommunalisierung der Energienetze am 22. September. Dann entscheiden die Hamburger selbst, ob die Stadt die Netze zu 100 Prozent übernimmt, so wie es das Bündnis "Unser Hamburg - Unser Netz" anstrebt. In Umfragen sprechen sich zwei Drittel der Wähler dafür aus. Der SPD-Senat lehnt die Komplettübernahme dagegen als unbezahlbar ab. Die geschätzten Gesamtkosten liegen zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro.

Sollte der Volksentscheid erfolgreich sein, schwebt den ENH-Machern die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der Stadt vor, das die Stromleitungen dann übernimmt. Als Mitbesitzer will die Genossenschaft sodann für einen schnelleren Wandel hin zu erneuerbaren Energien sorgen. ENH-Aufsichtsrats-Vize Peter Becker: "Vattenfall blockiert derzeit eine dezentrale Energieversorgung mit Blockheizkraftwerken."

Bei Energie-Netz Hamburg können Bürger Anteile ab 100 Euro zeichnen; hinzu kommt ein "Eintrittspreis" von 50 Euro. Jeder Genosse erhält das gleiche Stimmrecht, kann über Investitionen und die Höhe der Gewinnausschüttungen mitentscheiden. Als Mitstreiter gesucht werden Interessierte aus ganz Deutschland, vor allem aus Hamburg und Metropolregion. Die Gewinne aus dem Netzbetrieb verblieben dann künftig vorwiegend im Norden.

Prominentester Kopf der Energiegenossenschaftler ist als Aufsichtsrat Lukas Beckmann, Gründungsmitglied der Bundes-Grünen und mehr als zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Politikorganisatoren der Öko-Partei. Mittlerweile agiert der 62-Jährige als Stiftungsvorstand der sozial-ökologischen Genossenschaftsbank GLS.

Anteilseignern des Energienetzes Hamburg stellt Beckmann Renditen von drei bis fünf Prozent in Aussicht. Nach seiner Rechnung werden für das Hamburger Stromnetz rund 500 Millionen Euro fällig, wozu die Genossenschaft rund 100 Millionen Euro an Eigenkapital beisteuern müsse. Diese Summe aufzubringen sei kein Problem. Beckmann: "Anlegergeld gibt es mehr als genug."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen