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Blockierte Rader Hochbrücke : Brückenfiasko bremst Dänemark aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gefährliches Nadelöhr: Schleswig-Holsteins nördlicher Nachbar sieht wegen ständiger Engpässe Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze bedroht.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Kopenhagen | Nicht nur im nördlichsten Bundesland selbst – auch in Dänemark wächst die Furcht davor, dass die Nadelöhre in Schleswig-Holstein und Hamburg Wirtschaft und Beschäftigung gefährden. „Wir sind zutiefst davon abhängig, unsere Waren in den Rest Europas transportieren zu können. Nadelöhre in Norddeutschland werden bei uns Wachstum und Arbeitsplätze kosten, wenn wir die Probleme nicht angehen“, warnt der Vorsitzende der Region Süddänemark, Carl Holst, gegenüber dem sh:z. „Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft in Dänemark machen sich Sorgen.“

Die A7 und ihre Fortsetzung E45 nördlich der Grenze seien der wichtigste Transportweg zwischen dem Königreich und der Bundesrepublik. Mit einer Bevölkerung von 7,5 Millionen Menschen entlang dieser Route in Jütland und Schleswig-Holstein habe die Route eine Bedeutung, die sich mit der Öresundregion im Großraum Kopenhagen/Malmö messen könne.

Sowohl die deutsche als auch die dänische Politik müssten sich für ein Verkehrsnetz einsetzen, das als Rückgrat in die internationale Infrastruktur eingehen könne. Holst bezieht diese Forderung sowohl auf die Straße als auch auf die Bahn. Als oberster Politiker einer Region, die ein Drittel Jütlands und die zweitgrößte dänische Insel Fünen umfasst, bietet der Rechtsliberale ausdrücklich seine Mithilfe an, in den Hauptstädten auf die im Fall Rader Hochbrücke gipfelnde Misere aufmerksam zu machen. „Gemeinsam mit Schleswig-Holstein kann die Region Süddänemark auf die Regierungen in Berlin und Kopenhagen Druck ausüben, um die Probleme zu lösen.“ Das gelte auch für Aufmerksamkeit seitens der EU. In Brüssel gebe es durchaus eine Bereitschaft, den Mitgliedsstaaten bei der Entfernung von Nadelöhren im transeuropäischen Netz zu helfen.

„Mir ist sehr bewusst, dass die Sperrung der Rader Hochbrücke für Lastwagen für die dänischen Spediteure eine große Erschwernis darstellt“, sagt Dänemarks Verkehrsministern Pia Olsen Dyhr auf Anfrage. „Das ist sehr ärgerlich. Aber bei der Sicherheit darf es keine Kompromisse geben.“ Sie habe dieses Thema gerade mit dem deutschen Botschafter in Kopenhagen erörtert.

Die Ministerin verweist darauf, dass Dänemark im Frühjahr die Ergebnisse eines Gutachtens zur langfristigen Bedarf der Verkehrsinfrastruktur erwarte. Ein Hauptthema dabei sei die künftige Kapazität der Jütland-Route in Verlängerung der A 7. Ein eingleisiger Engpass auf der Bahnstrecke in Südjütland werde bereits bis 2015 beseitigt. Dann werde es dort zwei Gleise geben.

Der Sprecher des Dachverbands des dänischen Transportgewerbes, Nikolaj Stig Nielsen, nimmt bei der dänischen Verkehrsministerin „viel Zurückhaltung“ wahr. „Aus dänischer Perspektive sind die Nadelöhre in Norddeutschland eine Katastrophe“, findet er. Über die Jütlandroute werden jährlich über 30 Millionen Tonnen per Lkw im- und exportiert, über den Fehmarnbelt lediglich 6,1 Millionen Tonnen. Längere Touren durch Staus an der Rader Hochbrücke oder die künftige Jahre lange Baustelle durch die Verbreiterung der A7 zwischen Hamburg und Bordesholm sorgten durch ausgedehnte Lenk- und Ruhezeiten für Mehrkosten zwischen 300 und 500 Kronen per Tour. Macht bei rund 3000 Lastwagen täglich in beide Richtungen mindestens eine Million Kronen (über 140.000 Euro) am Tag. „Wir sind grenzüberschreitend unglaublich verletzlich“, moniert er.

Nielsen fordert deshalb eine deutsch-dänische „Doppelsicherung“. Damit meint er einen zumindest autobahnähnlichen Ausbau der Westküstenstrecke. Was den Umgang mit dem Akut-Fall Rader Hochbrücke angeht, erlebt der dänische Dachverband „seitens deutscher Behörden viele schöne Worte – aber es ist schwer zu erkennen, dass sie mit Handeln unterfüttert werden“. Damit meint Nielsen unter anderem seiner Ansicht nach fehlende Flexibilität bei Sonderregeln. Trotz gegenteiliger Beteuerungen brauche es genauso lange Zeit – vier bis sechs Wochen – wie früher, wenn ein Schwertransport zum Umfahren der Brücke die Genehmigung für eine andere Strecke beantrage.

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