Brücken ächzen unter schweren Lkw

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03. Juni 2013, 11:50 Uhr

Kiel/Berlin | Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnt schon sei langem davor, bei der Verkehrsinfrastruktur auf Verschleiß zu fahren. Jetzt bekommt er Schützenhilfe vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Der Sanierungsstau gefährde die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und belastet zugleich die Wirtschaft, warnte deren Chef Jürgen Fenske in Berlin.

Wie schlimm es um den Zusand der Verkehrswege bestellt ist, zeige vor allem der Zustand der rund 39 000 Brücken auf Bundesfernstraßen. Viele wurden in den 60er und 70er Jahre gebaut und sind berüchtigt wegen ihrer miserablen Betonqualität. Rund 300 drohen unter der Last des Schwerlastverkehrs über kurz oder lang einzustürzen. Ihr Zustand ist laut Bundesverkehrsministerium "ungenügend".

Ähnlich sieht das Bild in Schleswig-Holstein aus. Nach Angaben des Kieler Wirtschaftsministeriums sind im nördlichsten Bundesland 32 Brücken in so schlechtem Zustand, dass "Stand- oder Verkehrssicherheit beeinträchtigt sind" und "Instandsetzungsmaßnahmen umgehend erforderlich". In den letzten drei Jahren wurden deshalb hier vom Bund für Erhaltungsmaßnahmen an Brücken jeweils zwischen 14 und 19 Millionen Euro ausgegeben. Längst hat Ramsauer nachrechnen lassen: Pro Quadratmeter Brückenfläche muss er jährlich 21,45 Euro investieren, damit das Bauwerk bis zum Ende der vorgesehenen Lebensdauer (80 bis 100 Jahre) nutzbar bleibt. Macht allein für Schleswig-Holstein Jahr für Jahr 17,2 Millionen Euro - ohne Erhaltungsaufwand für neue Brückenbauwerke, von denen derzeit etliche, etwa auf der B 404, im Bau sind.

Doch nicht nur die Überführungen in der Zuständigkeit des Bundes sind sanierungsbedürftig. Bei den Prüfungen sind auch 25 Brücken auf Kreis- und Landesstraßen "durchgefallen" und gelten jetzt als dringend sanierungsbedürftig. Zwar ist laut Wirtschaftsministerium ihre Verkehrssicherheit "trotzdem jederzeit gegeben". Für die Autofahrer bedeutet das dennoch Ärger: Oft sind "Nutzungseinschränkungen" nötig, also Tempolimits oder Fahrbahnverengungen.

Verkehrsexperten zeigen sich besorgt. "Eine gute Infrastruktur ist die Basis für Wirtschaftskraft und Wohlstand in unserem Land", mahnt VDV-Mann Fenske. Welche konkreten Auswirkungen die Schäden verursachen, macht er am Beispiel einer der am stärksten befahrenen Autobahnbrücke Deutschlands deutlich. Sie steht in Leverkusen und und wurde auf Grund von Rissen vorübergehend für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen gesperrt. Rund 14 000 Lkws mussten täglich große Umwege in Kauf nehmen. Laut IHK kostete das die betroffenen Unternehmen im Schnitt rund 1700 Euro täglich.

Trotz scharf geschalteter Schuldenbremse fordert Fenske deshalb, in der nächsten Legislaturperiode rund sieben Milliarden Euro die für die Instandhaltung und Ertüchtigung der Brücken im Bundesfernstraßennetz bereitzustellen. Und auch die Eisenbahnbrücken dürften nicht kaputtgespart werden. "Es gibt im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn 27 000 Überführungen, manche davon sind weit über 100 Jahre alt.

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