Böller verletzt vier Jungen

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05. Januar 2013, 01:14 Uhr

Timmendorfer Strand | Die Polizei war froh, am Neujahrsmorgen keine schweren Verletzungen nach Unfällen mit Silvesterböllern vermelden zu müssen. Vier Tage nach dem Jahreswechsel hat es nun doch einen tragischen Vorfall gegeben: Ein nicht detonierter Silvesterböller hat gestern einen 13 Jahre alten Jungen und seine Freunde schwer verletzt.

Zu viert war das Grüppchen am frühen Nachmittag durch Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) gezogen. Auf einem Parkplatz an der Eissporthalle entdeckten die Jungs aus Timmendorfer Strand und Ratekau dann den Böller. Polizeisprecherin Carola Aßmann: "Sie drückten den Knaller auseinander und zündeten das Schwarzpulver an."

Es gab einen gewaltigen Knall und eine Stichflamme. Carola Aßmann: "Sogar die Beamten der nahen Polizeistation hörten die Detonation." Der 13-Jährige erlitt schwerste Verletzungen an der Hand. Er musste mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Lübeck geflogen werden. Schwer verletzt wurden auch zwei Zwillingsbrüder, neun Jahre alt. Einer wurde mit dem Rettungswagen ebenfalls in die Uniklinik gebracht - mit schweren Gesichts- und Handverletzungen. Sein Bruder erlitt einen Schock. Ein weiterer Junge der Gruppe, 14 Jahre alt, kam mit Handverletzungen in die Sana-Klinik Neustadt.

Den genauen Unfallhergang muss die Polizei nun noch rekonstruieren. "Keiner der Jungen war in der Lage, den Beamten Fragen zu beantworten", sagt Aßmann. "Auch der Neunjährige mit dem Schock nicht. Er wurde seinen Eltern übergeben."

Bei der Polizei hat das Unglück Betroffenheit ausgelöst. "Wir dachten, wir hätten Silvester gut überstanden und nun das", sagt Aßmann. Die Polizei bittet deshalb noch einmal ausdrücklich alle Eltern, ihre Kinder über die Gefahren von nicht detonierten Sprengkörpern aufzuklären: In keinem Fall sollten Blindgänger noch einmal gezündet oder Knallkörper auseinander gebaut werden. Nach Angaben des Kieler Landeskriminalamtes sterben in Deutschland jedes Jahr fünf bis zehn Personen, die mit Sprengstoff hantieren. Im Norden gab es zahlreiche Fälle von Verletzten, oft sind dabei illegale "Polenböller" oder selbstgebastelte Sprengkörper im Spiel.

Vielfach ist der Verlust einer Hand die Folge: So riss im Dezember 2009 ein in Deutschland nicht zugelassener Böller in Handewitt bei Flensburg einem Jungen (10) die Hand ab. Drei weitere Kinder wurden verletzt. Im September 2011 zündeten drei Jugendliche (18, 21 und 22) in Satrup illegale Pyrotechnik. Einer von ihnen verlor seine Hand. Und Silvester 2010/2011 verloren ein Kieler und ein Norderstedter ihre Hand. Beide hatten Sprengkörper gezündet, die sie selbst geba stelt hatten.

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