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Bis 2028 soll alles fertig sein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verkehrsminister Dobrindt bekennt sich zum Ausbau des Kanals – doch sein Kollege Meyer will konkretere Zusagen

Die Stimmung ist trüb. Ein Regentropfen landet auf der Designerbrille von Alexander Dobrindt, als der neue Verkehrsminister die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals im Rücken den Journalisten erklärt, warum er nun doch keinen festen Zeit- und Kostenplan für die Sanierung des maroden Bauwerks präsentiert. Statt dessen sagt der CSU-Mann nur: „Mein oberstes Interesse ist es, die Verfügbarkeit und Verlässlichkeit des Kanals sicherzustellen.“

Dabei hat Dobrindts Ministerium vor dessen Besuch im Norden eigens ein detailliertes Zahlenwerk für die Modernisierung der über hundert Jahre alten Wasserstraße aufgestellt. In dem unter Verschluss gehaltenen Konzept, das unserer Zeitung vorliegt, legt Dobrindt für jedes Jahr dar, wieviel Geld der Bund in den Kanal stecken will (siehe Tabelle). Bis 2028 soll demnach alles erledigt sein, fast 1,5 Milliarden Euro werden dann geflossen sein. Das meiste beruht dabei auf Plänen von Dobrindts Vorgänger und Parteifreund Peter Ramsauer. Nur die neue Schleuse in Brunsbüttel wird 110 Millionen Euro teurer, der Ersatzbau für die Levensauer Hochbrücke bei Kiel beginnt etwas später und die Vertiefung des Kanals etwas früher. Zudem verzögert sich womöglich die Verbreiterung der Oststrecke, weil ein paar Bürger jetzt in letzter Minute Klage gegen den Ausbau eingereicht haben.

Dobrindt schweigt darüber, als er in Brunsbüttel neben Landesverkehrsminister Reinhard Meyer steht. Der schaut sich um und betrachtet einen Frachter, der die Schleusen passiert. Was sein Bundeskollege am Kanal verkündet, ist dem Sozialdemokraten Meyer nicht genug: „Ich habe mehr erwartet“, sagt er und ergänzt höflich: „Man kann sich immer mehr wünschen – aber ich habe gelernt, dass man beim Nord-Ostsee-Kanal langen Atem braucht. Den habe ich.“ Das Wort „Enttäuschung“ nimmt er nicht in den Mund. Statt dessen sagt er: „Ich möchte, dass Herr Dobrindt den Kanal zu seinem Projekt macht.“ Offenbar will Meyer es sich mit dem Minister für Mobilität und Modernität nicht verscherzen, auch wenn er sagt: „Mobilität haben wir auf dem Kanal eine ganze Menge, nur mit der Modernität hapert es.“

Meyer faltet die Hände als Dobrindt über die Bedeutung des Kanals für Deutschland und die Welt fabuliert und garantiert, dass der Bund weitere Mehrkosten bei der Sanierung übernehmen werde – wenn der Bundesetat es hergibt. „Das ist doch wichtig für jemanden, der im Verdacht steht, viel von Bergen aber wenig von Wasser zu verstehen“, sagt Dobrindt. Gesichert ist bisher nur der Bau der neuen Schleuse in Brunsbüttel. „Das erste Schiff soll dort 2020 festmachen“, verspricht Dobrindt. Keine Aussagen will er darüber machen, wie es danach mit dem Kanal weitergeht. „Vielleicht bin ich dann ja gar nicht mehr Verkehrsminister“, sagt der Mann, der jetzt das bekannteste Gesicht der CSU im Bundeskabinett ist. Kurz darauf muss er dann wieder los.

Einer, an dem der Minister vorbeirauscht, ist Michael Hartmann, Ältermann der Lostenbrüderschaft Brunsbüttel. „Das war ja ein smarter Auftritt – aber das genügt uns nicht“, sagt er. „Wir hätten gern etwas mehr in der Hand.“ Denn eines habe er nach den vielen Besuchen verschiedener Verkehrsminister gelernt, sagt Hartmann: „Wir hatten bislang zu viel Politik am Kanal – und zu wenig Action.“ Der graue Himmel über dem Kanal hat sich noch nicht verzogen.


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