Bildungspolitik im Blindflug

peter_hoever

shz.de von
04. Juni 2014, 12:20 Uhr

Es ist leider so: Nichts an den „blendenden“ Reformen der Küstenkoalition in der Bildungspolitik ist zu Ende gedacht. Deshalb spitzt sich der Unterrichtsausfall zu. Deshalb gehen Eltern jetzt auf die Straße. Zu Recht tun sie das.

Der dramatische Schülerrückgang: Der lässt sich doch nur dann in Einsparungen bei Lehrerstellen ummünzen, wenn kleine Schulen geschlossen werden. Die Koalition aber hält nicht nur an Zwergschulen fest. Sie vergrößert mit bildungsökonomisch unsinnigen Mini-Oberstufen an Gemeinschaftsschulen ihr Problem.

Die Inklusion: SPD, Grüne und SSW brüsten sich, schon heute 64 Prozent der Kinder mit Behinderungen an allgemeinbildenden Schulen zu unterrichten. 90 Prozent sollen es werden, sagt Bildungsministerin Waltraud Wende, die von Förderschulen erklärtermaßen wenig hält. Ein Konzept zur Inklusion ist Wende bisher schuldig geblieben, die nötigen Stellen auch.

Dafür gönnt man einigen Schulen ein paar Lehrkräfte für Plattdeutsch. „Nice to have“ – als Sahnehäubchen in guten Zeiten, kompletter Unfug aber angesichts des Unterrichtsausfalls in Kernfächern. Obendrauf kommt nun eine Reform der Lehrerbildung mit teuren Doppelstrukturen in Kiel und Flensburg. Völlig offen dabei ist (nicht nur) die Frage der Besoldung von künftig einheitlich ausgebildeten Lehrkräften.

Das alles ist Bildungspolitik im Blindflug. Es wird immer enger für Wende.

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