Biobauern : Bei Öko-Prämien springt der Norden an die Spitze

Das Land erhöht die Fördersätze für Biobauern um bis zu 30 Prozent. Die Branche steht weiter unter Druck.

fju_maj_0203 von
08. Juli 2014, 12:14 Uhr

Erste Korrekturen nach dem Machtwechsel in Kiel Mitte 2012 gab es bereits – nun setzt Umwelt- und Agrarminister Robert Habeck (Grüne) auf einen großen Sprung, um Schleswig-Holstein im Ökolandbau vom hintersten Platz in Deutschland wegzuführen: Ab Anfang kommenden Jahres erhöht die Landesregierung die Fördersätze für die Biobauern um bis zu 30 Prozent.

Steigt ein Landwirt von konventionell auf öko um, erhält er dafür bei Ackerbau und Grünland künftig zwei Jahre in Folge je 364 statt bisher 280 Euro pro Hektar. Dieser hohe Satz wird gewährt, weil der Bauer in dieser Zeit zwar schon nach ökologischen Kriterien wirtschaftet, seine Produkte aber erst nach zwei Jahren als Bioware verkaufen darf. Vom dritten bis fünften Jahr bekommen Ackerbau- und Grünland-Umsteller 234 statt bislang 180 Euro. Die gleiche Höhe erreicht für sie die Beibehaltungsprämie. Diese bezieht, wer länger als fünf Jahre Biobauer ist. Für Gemüseerzeuger klettert die Umstellungsprämie von 900 auf 935 Euro, die Prämie für die Beibehaltung und für das dritte bis fünfte Jahr von 350 auf 360 Euro. Zusammen mit Niedersachsen liegt Schleswig-Holstein damit bei den Fördersätzen auf dem vordersten Platz in der Bundesrepublik.

Ein Politikwechsel um 180 Grad: Die Vorgängerregierung in Kiel aus CDU und FDP hatte als einzige in ganz Deutschland die Beibehaltungsprämie abgeschafft. 2010 und 2011 ging die Ökoagrar-Fläche zwischen Nord- und Ostsee denn auch erstmals zurück. Ihr Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche betrug 2011 nur noch 3,5 Prozent. Derzeit sind es mit 37.000 Hektar knapp vier Prozent. Leicht rückläufig ist die Zahl der Betriebe mit 503.

Bis 2020 strebt Habeck einen Anteil der Bioflächen von sieben Prozent an. Das entspräche dem derzeitigen Bundesdurchschnitt. „Es liegt also noch ein großes Stück Weg vor uns, und ihn können wir nicht gehen, wenn es sich nicht rechnet“, stellte er gestern fest. Der Minister unterstrich „die gewässer- und naturschonende Wirtschaftsweise der Ökobetriebe“. Grundsätzlich gibt das EU-Recht vor, dass die öffentliche Hand die Kostennachteile ausgleichen muss, die durch einen Wechsel auf Bio entstehen. Neue Aktualität erhält dies durch eine Masterarbeit von der Universität Kiel. Danach fallen die Getreideerträge bei Verzicht auf synthetischen Dünger und Pflanzenschutzmittel teils nur halb so hoch aus. Die Folge: Der konventionelle Ackerbauer verdient pro Hektar bis zu 300 Hektar mehr als der Biolandwirt.

„Die Erhöhung der Fördersätze ist dringend geboten“, findet der Geschäftsführer der Landesvereinigung Ökologischer Landbau, Jens Maßlo. Der Dachverband hatte sich noch mehr erhofft: bei der Beibehaltungsprämie etwa 274 statt 234 Euro. Das, argumentiert Maßlo, wäre der maximal zulässige Betrag gewesen, der gemäß einem Regelwerk von Bund, Ländern und EU gewährt werden dürfe. Kämen dank der jetzigen Erhöhung weitere Biobetriebe hinzu, wäre das für Maßlo bereits die Kür. „Schon allein, um die jetzigen Biohöfe in diesem Segment zu halten“, seien die höheren Mittel nötig. „Viele Biohöfe haben wirtschaftlich zu kämpfen“, schildert Maßlo. Immer schwieriger werde es, bei den durch den Maisanbau für Biogas ausgelösten Boom der Pachtpreise mitzuhalten. Der lange Winter des Vorjahres habe die ohnehin niedrigeren Erträge im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft noch zusätzlich abgesenkt. Der Handel bekomme im Ausland in großem Umfang günstige Bioware; überdies hemmten die steigenden Erlöse für konventionelle Erzeugnisse auf dem Weltmarkt den Anreiz für Umsteiger.

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