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Bauern stinkt der Erlass aus Kiel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landwirte machen mobil gegen Minister Robert Habeck (Grüne), der den Einbau von Luftfiltern in Schweineställen will

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 12:50 Uhr

„Das schluckt den Gewinn.“ Ferkelzüchter Peter Witt (30) aus Hemme (Kreis Dithmarschen) und viele seiner Berufskollegen fürchten um ihre Existenz, wenn sie ihre Schweineställe mit einer Filteranlage ausstatten müssen. Ein geplanter Erlass des Kieler Landwirtschaftsministeriums sieht vor, dass Schweinezüchter nicht nur in Neubauten, sondern auch in bestehende Ställe ab einer gewissen Größe Ammoniak-Filter installieren sollen.

„Der Bau von großen Tierställen sorgt in Dörfern und Gemeinden oft für Unmut. Deshalb ist es wichtig, die Beeinträchtigung durch die Gerüche, Staub und Bioaerosole mit Hilfe entsprechender Abluftreinigungsanlagen weitgehend zu reduzieren. Das kann auch dazu beitragen, die örtlichen Konflikte zu mildern“, begründet Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) das Vorhaben.

Nach Auffassung des Bauernverbandes Schleswig-Holstein könnten die Nachrüstungen eine Investition von mehreren 100 000 Euro pro Hof bedeuten. Pressesprecher Klaus Dahmke: „Die Kosten für den nachträglichen Einbau sowie für den laufenden Betrieb sind für viele Höfe gar nicht darstellbar. Derartige Filteranlagen sind allenfalls für Großanlagen wirtschaftlich, so dass vor allem kleinere Betriebe nach Ablauf der Übergangsfristen aufgegeben müssten.“

Für Peter Witt würde eine Nachrüstung seiner fünf Ställe wohl etwa 200 000 Euro kosten. Rechnet er die Finanzierung (Zinsen und Tilgung) über 15 Jahre, würden sich die Kosten pro Ferkel um etwa 70 Cent erhöhen. Hinzu kommen die Betriebskosten einer Filteranlage (Strom, Wasser, Entsorgung der Rückstände) von etwa zwei Euro pro Tier. So schätzt Witt, dass sich die Zucht pro Ferkel um fast drei Euro verteuern könnte. „Dabei habe ich über die Jahre gesehen im Durchschnitt nur fünf Euro pro Tier Gewinn vor Steuern gemacht“, erklärt der Landwirt. Die durch eine Filteranlage verursachten Mehrkosten, da ist sich Witt sicher, lassen sich nicht auf die Schweinepreise aufschlagen. „Wir produzieren bei vertretbaren Kosten höchste Qualität für den Weltmarkt, doch das kippt irgendwann. Wenn wir den Bogen überspannen, geht die Schweineproduktion in Deutschland zurück – und irgendwann halten wir hier auf“, befürchtet der Landwirt. Auf seinem Hof hält er derzeit 900 Muttersauen und liefert pro Jahr 28 000 Ferkel an drei Schweinemäster. Diese Betriebsgröße, so betont Witt, sichert fünf Arbeitsplätze. Seine drei Ställe für die Ferkelaufzucht und die beiden Gebäude für die Sauenhaltung entstanden in den vergangenen 20 Jahren. „Alle Auflagen wurden erfüllt, wir bestehen auf unseren Bestandsschutz.“

Der Bauernverband rechnet damit, dass bis zu 350 der 1100 Schweinebetriebe in Schleswig-Holstein von der Filterpflicht betroffen wären. Dabei sei ein Erlass, so Dahmke, gar nicht notwendig: „Schon heute wird bei jedem Stallvorhaben, unabhängig von seiner Größe, standortspezifisch geprüft, ob wegen Geruchsbelästigungen oder Stickstoffausträgen ein Filter notwendig ist.“

Mit der Filterpflicht will Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Habeck seinen Amtskollegen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nicht nur folgen, sondern noch härtere Bedingungen durchsetzen. Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass nun ein Erlass geplant ist, der deutlich schärfer als die Erlasse in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist, obwohl dort eine viel höhere Viehdichte besteht, die gehaltenen Schweine in unserem Land dagegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen haben.“ Insgesamt sieht Schwarz immer höhere Belastungen für die schleswig-holsteinischen Landwirte.

Sollte der Erlass kommen, sieht sich Ferkelzüchter Witt bereits vor einer schwierigen Entscheidung: Den landwirtschaftlichen Betrieb aufgeben und als Angestellter arbeiten oder eine neue, viel größere Zuchtanlage bauen.

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