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Bauern auf den Barrikaden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Streit um Tierhaltung: Landwirte protestieren lautstark gegen Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 03:56 Uhr

Der Konflikt zwischen Grünen und Landwirten eskaliert. Gestern pfiffen rund 200 extra angereiste Bauern den Spitzenkandidaten der Grünen zur Bundestagswahl, Jürgen Trittin, bei einem Wahlkampfauftritt in Flensburg eine Stunde lang gnadenlos aus. Hintergrund sind Trittins Äußerungen, der „Drogenhandel im Stall“ angeprangert hatte. Und der Satz seiner Parteikollegin Katrin Göring-Eckardt „Ich möchte kein Schnitzel von einem Schwein essen, das derartig gedopt ist, dass es bei der Tour de France mitfahren könnte“, habe das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, erklärte Bernd Thomsen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Schleswig. Trittin musste sich Zurufe wie „Lügenbaron“ oder „Phrasendrescher“ gefallen lassen.

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz gesagt: „Das, was wir Bauern im Moment erleben, hat es im demokratischen Deutschland noch nicht gegeben. Eine ganze Berufsgruppe wird aus politisch motivierten Gründen ausgegrenzt.“ Die Bauern seien keine Kriminellen, so Schwarz.

„Ich halte Bauern nicht für kriminell“, wies Trittin im Interview mit unserer Zeitung die Angriffe der Landwirte zurück. „Es liegt doch gerade in ihrem Interesse, dass wir gegen die Intensivtierhaltung sind. Denn die Bauern sind von den Großbesitzern selbst bedroht“, sagte der Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Er habe lediglich die Intensivhaltung von Tieren und die massenhafte Verabreichung von Antibiotika und den Handel damit kritisiert. „Der Bauer ist nicht der Dealer“, rief Trittin der aufgebrachten Menge in Flensburg zu. „Dealer sind die Tierärzte, die von Hof zu Hof fahren und deren Einkommen davon abhängt, wie viel sie verschreiben.“

Trittin kritisierte vor allem die Förderung der industriellen Massentierhaltung. Gegen die konventionelle Landwirtschaft habe er nichts einzuwenden.

Bernd Thomsen sah das anders: „Wir werden nicht hinnehmen, dass wir von den Grünen derart ins Abseits gestellt werden.“ Landwirte würden mit Begriffen wie „Qualzucht“ diskreditiert, während „wir Tag für Tag die Bevölkerung ernähren“ und die Qualität der Produkte noch nie so gut gewesen sei.

Die Proteste der Bauern werden weitergehen: Am nächsten Freitag treffen sich rund 1000 Landwirte zum Landesbauerntag in Rendsburg. Thomsen: „Dann wird Tacheles geredet.“ Interview Seite 5

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