Bandenkrieg in Hamburg? Unbekannter schießt 24-jährigen Rocker nieder

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05. November 2013, 00:33 Uhr

Bislang war Hamburg von der brutalen Gewalt unter deutschen Rocker-Banden weitgehend verschont geblieben. Seit gestern ist das womöglich anders. In Marienthal hat ein Unbekannter in der Nacht den mutmaßlichen „Hells Angel“ Tim B. (24) niedergeschossen. Zwei Kugel trafen den tätowierten Muskelmann in den Bauch und verletzten ihn lebensgefährlich. Die Ärzte im AK Wandsbek retteten dem Opfer mit einer Notoperation das Leben. Das Krankenzimmer wird nun von starken Polizeikräften bewacht.

Die Fahnder rechnen B. den in Hamburg verbotenen „Höllenengeln“ zu. Bei der Polizei ist der bullige Mann wegen Körperverletzungsdelikten aktenkundig. Nicht nur die Mordkommission, auch die Spezialisten für Organisierte Kriminalität ermitteln.

Tim B. war in der Nacht zu gestern gegen 0.45 Uhr mit seiner Lebensgefährtin (28) nach Hause gekommen und hatte seinen Mercedes E 280 in der Tiefgarage an der Rennbahnstraße abgestellt. Als das Paar die wenigen Schritte zur Haustür zurücklegte, tauchte aus der Dunkelheit ein Mann auf und eröffnete das Feuer. Polizeisprecher Mirko Streiber: „Der Geschädigte erlitt zwei Schüsse in den Bauch.“ B. schleppte sich noch in seine Wohnung, wo er zusammenbrach. Seine unverletzte Freundin rief die Rettungskräfte.


Krankenhaus wird bewacht


Wer schoss, ist unklar. Eine Sofortfahndung der Polizei nach dem Schützen mit 15 Streifenwagen blieb erfolglos. Aber ganz offensichtlich war der Angriff mehr als die im Milieu berüchtigte „letzte Warnung“. Nach Überzeugung der Ermittler wollte der Schütze sein Gegenüber töten. Streiber: „Deshalb wird das Krankenhaus jetzt auch bewacht.“

Tim B. gilt als beinharter Rocker. Seinen Szene-Spitznamen „Dirty White Boy“ (schmutziger weißer Junge) ließ er sich angeblich sogar ins Gesicht tätowieren.

Droht in Hamburg ein Rockerkrieg wie schon in Schleswig-Holstein, Berlin und anderen Bundesländern, wo sich „Hells Angels“ und „Bandidos“ bis aufs Messer bekämpfen? Ganz so dramatisch bewerten Hamburgs Milieuermittler die Lage noch nicht. Sie verweisen auf das seit 1983 geltende Verbot der „Hells Angels“ in der Stadt, das diese zu weitgehender Zurückhaltung in der Öffentlichkeit zwingt. Richtig ist aber auch: Die „Höllenengel“ sind an der Elbe dennoch präsent und ein echter Machtfaktor im kriminellen Milieu. Ihr Geld verdienen sie vor allem mit Prostitution und Drogenhandel. So beherrschen die „Hells Angels“ den Straßenstrich an der Süderstraße und betreiben Großbordelle wie das „Laufhaus“ auf St. Pauli. Auch die konkurrierenden „Bandidos“ sind in Hamburg aktiv und besitzen eigene Bordelle, etwa in Jenfeld und in Billstedt.

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