Verkehr : Bald rollen noch mehr Lastwagen durch SH

Solche Bilder werden in den kommenden Jahren bleiben, denn der Güterverkehr nimmt zu – wie hier auf der A7 Richtung Süden.
Solche Bilder werden in den kommenden Jahren bleiben, denn der Güterverkehr nimmt zu – wie hier auf der A7 Richtung Süden.

Neue Prognose: Der Güterverkehr wächst im Norden am stärksten. Auch der Personenverkehr nimmt weiter zu. Der Ausbau der Infrastruktur wird immer wichtiger.

shz.de von
11. Juni 2014, 19:48 Uhr

Kiel | Durch Schleswig-Holstein werden bald noch viel mehr Lastwagen fahren als bisher. Denn der Güterverkehr wächst im nördlichsten Bundesland stärker als in allen anderen deutschen Flächenländern – sowohl auf der Straße als auch insgesamt. Nur die Stadtstaaten und Hafenstädte Hamburg und Bremen müssen sich auf noch größere Zuwächse beim Transportaufkommen gefasst machen. Das ergibt sich aus der Prognose für den neuen Bundesverkehrswegeplan, die Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

„Ein Hauptteil des Wachstums wird im Norden stattfinden“, sagte der CSU-Politiker. Zudem werde es im Süden und im Raum Berlin ein deutliches Plus geben. In Schleswig-Holstein steigt das jährlich beförderte Güteraufkommen bis 2030 um 38 Millionen Tonnen auf 220 Millionen. Die Zunahme entspricht einem jährlichen Wachstum von einem Prozent und liegt fast doppelt so hoch wie der Bundesschnitt von 0,6 Prozent. „Das führt dazu, dass der Ausbau der Seehafenhinterlandanbindungen noch stärker an Bedeutung gewinnt“, sagte Dobrindt.

Sein Kieler Amtskollege Reinhard Meyer (SPD) sah sich am Mittwoch durch die Zahlen bestätigt: „Wir liegen von der Straße bis zum Binnenschiff überall über dem Bundesdurchschnitt. Das zeigt einmal mehr die Notwendigkeit, massiv in unsere Infrastruktur zu finanzieren – noch weitaus mehr als in anderen Bundesländern“, sagte Meyer dem sh:z. Besonders wichtig sei ihm dabei die Schiene: „Das fängt bei der Fehmarnbelt-Trasse an, gilt aber ebenso für das dritte Gleis zwischen Elmshorn und Hamburg oder die Ertüchtigung der Marschenbahn.“

Der Großteil der zusätzlichen Transporte erfolgt in Schleswig-Holstein allerdings mit 34 Millionen Tonnen auf der Straße. Über die Schiene laufen bis 2030 drei Millionen Tonnen mehr, über das Wasser eine Million. Am stärksten betroffen sind die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie Lübeck. Dobrindts Prognose legt ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von durchschnittlich 1,14 Prozent jährlich zugrunde sowie einen Bevölkerungsrückgang um zwei Millionen bis 2030. Dennoch wird auch der Personenverkehr bis 2030 zunehmen – unter anderem, weil mehr Ältere im eigenen Wagen fahren.

Laut der neuen Prognose werden die zurückgelegten „Personenkilometer“ mit dem Auto bis 2030 bundesweit um zehn Prozent zunehmen, mit der Bahn um 19 Prozent und mit dem Flugzeug gar um 65 Prozent. Die Personenkilometer geben Auskunft darüber, wie viele Kilometer die Menschen in einem Land jährlich mit den einzelnen Verkehrsmitteln zurücklegen. Zahlen für Schleswig-Holstein nannte CSU-Politiker Dobrindt nicht. Allerdings geht aus einer am Mittwoch von ihm veröffentlichten Karte hervor, dass der Autoverkehr vor allem in den vier Hamburger Randkreisen und im Kreis Plön wächst. In den Städten Kiel und Neumünster sinkt er dagegen sogar leicht.

Um die für das steigende Verkehrsaufkommen nötigen Aus- und Neubauten künftig finanzieren zu können, will Dobrindt öfter als bisher auf sogenannte öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) setzen, bei denen ein Privatunternehmen eine Straße baut, bezahlt und betreibt – und im Gegenzug von den Autofahrern oder vom Staat eine Abgabe kassiert. „Ich werde dieses Modell deutlich verstärken“, sagte Dobrindt. Auch den A-20-Elbtunnel bei Glückstadt will er wie geplant auf diese Weise bauen: „Wir bleiben dabei.“

Sein Kieler Kollege Reinhard Meyer (SPD) sieht das Konzept dagegen kritisch. „Ich habe Zweifel, dass das ÖPP-Modell für die Elbquerung funktioniert“, sagte Meyer dem sh:z. Daher habe er Alternativen ins Spiel gebracht – „beispielsweise eine staatliche Infrastrukturgesellschaft“.

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