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Bahnhof platzt aus allen Nähten

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erstellt am 13.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | 450 000 Reisende Tag für Tag - kein Bahnhof in Deutschland wird von mehr Menschen genutzt als der Hauptbahnhof in Hamburg. Das ewige Gewusel von Fahrgästen der Fern-, S- und U-Bahnen mag als Inbegriff einer Millionenstadt faszinieren. Den Verkehrsplanern treibt der immer größere Andrang allerdings die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn einer der wichtigsten Schienenknotenpunkte im nördlichen Europa hat die Grenze seiner Kapazität erreicht. Der Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten, in Stoßzeiten erinnert das Gedränge bisweilen an asiatische Mega-Citys.

Niemand hatte an derartige Größenordnungen denken können, als die imposante Hallenkonstruktion 1906 eingeweiht wurde. Heute muss der Bahnhof an einem normalen Tag 1000 S-Bahnen, 100 ICE, 70 IC/EC, sowie 210 Regional-Express und Regionalbahnen verkraften; hinzu kommen durchschnittlich 16 bis 17 Güterzüge. Viele Bahnsteige sind schon in A- und B-Zonen unterteilt, um zwei Züge zeitgleich abfertigen zu können. Die Notwendigkeit eines Ausbaus ist mithin unbestritten, doch Lösungen sind kaum in Sicht. Schnelle schon gar nicht. Bereits 2009 hatte ein Gutachten des Bundesverkehrsministeriums die wesentliche Ursache für Engpässe im gesamten Hamburger Schienenverkehr auf die unzureichenden Kapazitäten im Hauptbahnhof zurückgeführt. Um sodann gleich klarzustellen: "Diese sind aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur sehr begrenzt erweiterbar."

Die einzige Möglichkeit, dem Nadelöhr ein ein bisschen Luft zu verschaffen, sehen die Planer in der Überbauung des Gleises 10. Dieses und das Nachbargleis 9 dienen bisher nur für Durchfahrten und verfügen über keine Bahnsteige. Einen solchen soll Gleis 9 erhalten, um so zusätzlichen Platz für Fern- und Regionalzüge zu gewinnen.

Doch auch vier Jahre nach Vorlage des Gutachtens liegt das Vorhaben in weiter Ferne. Denn: Voraussetzung ist der Bau einer ganz neuen S-Bahn-Linie, der S 4, die zwischen Hamburg und Ahrensburg einmal die Regionalbahnlinie 10 ersetzen soll. Diese würde dann Kapazitäten auf den Fern- und Regionalbahngleisen freimachen. In Sonntagsreden hat die S 4 den Status als wichtigstes Projekt im Schienenpersonenverkehr der Metropolregion schon erlangt. Doch wann der Bau der Strecke tatsächlich ins Rollen kommt, weiß immer noch niemand. Da der Löwenanteil der Investitionen von mindestens 400 Millionen Euro vom Bund kommen muss, liegt der Ball in Berlin. Hamburg und Schleswig-Holstein haben die neue S-Bahnstrecke jetzt un isono als vorrangig für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet, den der Bund 2015 neu aufstellt. "Wir gehen fest davon aus, dass die S 4 dann berücksichtigt wird", heißt es aus der Verkehrsbehörde von Senator Frank Horch (parteilos). Doch selbst wenn dem so sein sollte: Bevor die S 4 fertig ist und den verstopften Hauptbahnhof entlasten kann, werden noch sieben Jahre vergehen. Mindestens.

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