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Video aus Bad Oldesloe : Bahn überrollt Auto: Tote war Helmut Schmidts Pflegekraft

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An einem defekten Bahnübergang wurde ein Wagen erfasst – die Fahrerin überlebte das Unglück nicht. Die Bahnstrecke war zeitweilig gesperrt. Ein Pendler erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Bahn.

Bad Oldesloe | Nach einem Zugunglück mit einer getöteten Autofahrerin ist die Bahnstrecke Hamburg-Lübeck wieder frei. „Zu Betriebsbeginn sollte alles fahrplanmäßig funktionieren“, sagte eine Bahnsprecherin am frühen Mittwochmorgen.

Eine Regionalbahn hatte bei Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein ein Auto gerammt und etwa 500 Meter mitgeschleift. Die 56-jährige Autofahrerin starb am Dienstagabend in den Trümmern. Bei der Frau soll es sich nach sh:z-Informationen um die Pflegekraft von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt handeln. Die 180 Fahrgäste konnten erst nach Stunden den Zug verlassen und wurden mit Bussen und Taxis weiter gefahren. Die Bahnstrecke musste zwischen Bad Oldesloe und Bargteheide stundenlang gesperrt werden.

Nach ersten Erkenntnissen fuhr der Wagen über einen Bahnübergang, der seit einem Jahr defekt ist. Normalerweise sei an dieser Stelle ein Bahnmitarbeiter, der bei näherkommenden Zügen den Übergang mit einem Band absperre. Seit Mai 2014 gebe es dort eine halbautomatische Anlage mit Halbschranken und einem Blinklicht, die von einem Bahnmitarbeiter bediente werde, sagte ein Bahnsprecher. Nach ersten Ermittlungen war der Bahnmitarbeiter zum Unfallzeitpunkt auch vor Ort. Er habe vom Fahrdienstleiter im nahe gelegenen Oldesloe die obligatorische Meldung bekommen, die ihn auf die baldige Ankunft des Regional-Express hinweist. Diese habe er daraufhin ordnungsgemäß bestätigt. Der Mann konnte zu dem tragischen Geschehen wenige Minuten später noch nicht befragt werden, da er ebenso wie der Lokführer einen schweren Schock erlitt.

Die Ermittler überprüfen zurzeit, ob die Schranken geschlossen oder geöffnet waren, als es zu dem schrecklichen Unfall kam. Da die Halbschranken völlig unversehrt sind, spricht einiges dafür, dass sie geöffnet waren und die Frau – in ihrer Sicht eventuell durch den Nebel beeinträchtigt – auf die Gleise fahren konnte. Zu dieser Vermutung passt die Aussage von Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke. Als die ersten Rettungskräfte an der Unfallstelle angekommen seien, soll demnach das rote Licht zwar geleuchtet haben. Die Schranken seien aber geöffnet gewesen. Nach Aussage von Bahnsprecher Meyer-Lovis funktioniert die provisorische Schrankenanlage allerdings einwandfrei – und ist auch wieder in Betrieb.

Nach Informationen eines Fotografen der Deutschen Presse-Agentur am Unfallort war der Zug mitten in einem Feld zum Stehen gekommen. Die Passagiere mussten zum Bahnübergang laufen, wo Busse und Taxis warteten. Ältere oder gehbehinderte Passagiere seien mit einer Draisine dorthin gefahren worden.

Schwere Vorwürfe erhebt unterdessen Pendler und Autofahrer Nusret Haklaj, der den Bahnübergang täglich passiert: „Es musste ja erst etwas Schreckliches passieren. Das war vorhersehbar“, sagte der 38-Jährige. Der Mann fährt mehrfach am Tag über den Bahnübergang, denn er arbeitet für eine Spielzeugfirma, die in Rohlfshagen ein Außenlager hat. Er habe mehrfach beobachten können, dass die Bahnwärter vor der Annäherung eines Zuges zwar die Girlanden aufgehängt hätten oder eben seit einiger Zeit die provisorische Schrankenanlage bedienten, dann aber wieder in ihren Bauwagen zurück gegangen seien. Das sei überwiegend bei schlechtem Wetter so gewesen: „Oft war es so, dass Jogger, Spaziergänger und auch Radfahrer trotz geschlossener Schranke den Bahnübergang überquert haben. Es war ja niemand zu sehen, der die Menschen hätte aufhalten können. Und die Leute wollten offenbar nicht immer so lange warten, denn der Übergang war teilweise 15 Minuten und länger gesperrt.“

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erstellt am 27.11.2014 | 06:00 Uhr

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