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Mutter aus Bad Schwartau : Babyleichen im Schließfach: Todesursache nicht feststellbar

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Tötung kann im Fall der im Schließfach versteckten Babyleichen nicht mehr nachgewiesen werden – und die Mutter schweigt.

Bad Schwartau | Eine Doppelhaushälfte, weiß verklinkert, eine Schaukel und Kinderspielzeug im Garten. Nur hundert Meter sind es von hier bis zum Rensefelder Friedhof, wo Svenja K. (39) vor drei Jahren ihre neugeborene Tochter zwischen zwei Grabsteinen verscharrt hat. Jetzt soll die dreifache Mutter aus Bad Schwartau (Kreis Ostholstein) erneut zwei tote Babys versteckt haben: In dem Schließfach mit der Nummer 1344 am Hamburger Hauptbahnhof.

Warum, ist den Ermittlern weiter ein Rätsel. „Wir konnten die Frau bislang nicht befragen, da es ihr sehr schlecht geht“, sagte Ralf Peter Anders, Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, gestern. Svenja K. wird in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik behandelt. Es bestehe weiter akute Selbstmordgefahr.

Von den Nachbarn will niemand von den Schwangerschaften der Frau gewusst haben. Ihre Eltern, Kneipenwirte in Lübeck, wollen über den Fall nicht sprechen. Warum hat ihre Tochter nicht abgetrieben, warum nicht eine Babyklappe benutzt? Die Fragen bleiben unbeantwortet.

Svenja K. hat ihr Abitur an einem Fachgymnasium gemacht, soll an der Rezeption eines Hotels in Timmendorfer Strand gearbeitet haben und ist verheiratet. Sie hat drei Kinder. Das jüngste, so berichten Nachbarn, soll vier Jahre alt sein.

Die drei Babys, die danach geboren wurden, sind tot. Im ersten Fall waren die Ermittlungen gegen Svenja K. eingestellt worden. Sie hatte ausgesagt, das Mädchen sei leblos zur Welt gekommen. Wegen des Verwesungsgrades des Babys konnte das Gegenteil nicht bewiesen werden. Bei den beiden Geschwistern aus dem Schließfach dürfte es wohl genauso sein. Es lasse sich nicht mehr eindeutig feststellen, ob die Babys eines natürlichen oder gewaltsamen Todes gestorben sind, heißt es aus der Rechtsmedizin. Der Staatsanwalt fügt hinzu: „Wir ermitteln, aber für einen Haftbefehl gibt es keinen strafrechtlichen Ansatz.“

Wie lange die Babys im Schließfach deponiert waren, ist unklar. Es wies noch das Tagesguthaben von sechs Euro auf, grundsätzlich werden die Fächer nach 72 Stunden geöffnet. Möglicherweise hat Svenja K. die toten Babys also erst im Koffer nach Hamburg gebracht, als die Polizei nach einem Hinweis begann, gegen sie zu ermitteln.

Immer wieder töten Frauen ihre Neugeborenen. So hat eine Husumerin zwischen 2006 und 2012 fünf Babys erstickt und erstochen. Nach Aussage der Kieler Kriminologin Monika Frommel leiden solche Mütter unter einer hochspezifischen psychischen Störung: „In gewissem Sinne ist das eine Art der Geisteskrankheit, gegen die es kein Mittel gibt.“

Es gehe nicht um Armut oder geringe Bildung, sondern um gestörte Kommunikation. „In den meisten Fällen halten die Frauen ihre Schwangerschaften geheim oder verdrängen sie sogar vor sich selbst“, so Frommel. „Spätestens bei der letzten Presswehe realisieren sie dann, dass etwas Schreckliches passiert, und sie geraten in Panik.“ Dass die Mütter die toten Körper oft im Haus, der Tiefkühltruhe oder im Keller versteckten, zeige auch ihren inneren Zwiespalt. „Sie haben Angst vor Entdeckung, wollen sich aber auch nicht von dem Kind trennen.“ Frommel kritisiert, dass die Rolle der Väter oft zu wenig hinterfragt werde. „Sie sagen meist, sie hätten von der Schwangerschaft nichts bemerkt. Das halte ich für eine Schutzbehauptung.“ In Wahrheit sei die Kommunikation in der Partnerschaft und der Familie nachhaltig gestört, so dass die Wiederholungsgefahr groß sei. „Mit dem Strafrecht kann man dieses Problem nicht lösen.“ 

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erstellt am 20.Sep.2014 | 10:09 Uhr

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