Aufs Horn genommen

<strong>Die langen Hörner </strong>des Watussi-Rinds sind die Verkaufsschlager bei Peter Nielsen.<foto>bee</foto>
Die langen Hörner des Watussi-Rinds sind die Verkaufsschlager bei Peter Nielsen.bee

shz.de von
12. Januar 2013, 01:14 Uhr

Breklum | Die beiden kleinen Einschusslöcher in der Schädeldecke eines Rinds an seiner Wand sieht Peter Nielsen ganz pragmatisch. Zwei mächtige Hörner ragen aus dessen Kopf und lassen erahnen, welch großes Tier sich damit einst schmücken durfte. "Erwürgen kann man es ja nicht", sagt der Breklumer trocken. "Aber stell Dir mal vor, Du lebst in Afrika und sollst eine vierköpfige Familie ernähren. Wie kommst du dann an Dein Fleisch?"

Der Nordfriese handelt mit Naturhörnern, und zu fast jedem Exemplar hat der 50-Jährige eine Geschichte zu erzählen. Seine eigene beginnt im Jahr 2002 - jedenfalls im geschäftlichen Sinne. Zu jener Zeit arbeitete Nielsen noch im Büro einer Bredstedter Großschlachterei. Irgendwann legte ihm ein Kollege die Hörner von zwei Heidschnucken auf den Schreibtisch. Zum Wegwerfen zu schade, sagte er sich und deponierte sie in seiner Garage.

Damals entdeckte Nielsen im Internet auch ein großes Auktionsportal als öffentlichen Marktplatz. Dort bot der Breklumer das Gehörn zum Kauf an. Er selbst hatte eigentlich nicht damit gerechnet, überhaupt einen Abnehmer für seine sonderbare Ware zu erhalten. Er wurde jedoch eines Besseren belehrt. Binnen weniger Tage schnellten die Gebote in die Höhe und aus dem gesamten Bundesgebiet trudelten Anfragen ein, ob er nicht auch andere Hörner verkaufen würde.

Nielsen musste nicht lange suchen, schließlich war er bei einer Schlachterei beschäftigt. Allerdings war die Nachfrage größer als das Angebot. So machte sich der 50-Jährige auf die Suche. In Dänemark wurde er fündig. Dort erwarb er zehn Hörner und stellte fest, dass man mit der Naturware mehr Geld verdienen kann, wenn sie geschliffen und poliert ist. Von einem Dänen schaute er sich die Technik ab - und bekam bald eine erste größere Lieferung aus Südamerika: 2,2 Tonnen Hörner, rund 2000 Exemplare unterschiedlicher Größe, vermittelt von einem Peruaner.

Dass mit größeren Hörnern Geld zu verdienen ist, stellte der Breklumer schon nach kurzer Zeit fest. So kündigte er 2007 und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. "Die kleinen gibt es überall, aber die großen Dinger habe nur ich", sagt Nielsen stolz. Die "großen Dinger" sind die Hörner der afrikanischen Ankole-Rinder, auch Watussi-Rinder genannt - die Hörner erreichen Längen von bis zu 120 Zentimetern und ein Volumen von zehn Litern. Aus diesen fertigt Nielsen überwiegend Trink- und Blashörner. Und nicht nur das. Lampenschirme, Blumenvasen, Lautsprecherboxen, Türgriffe und nicht zuletzt das Fünf-Liter-Zapfhorn, das kurz vor der Markteinführung steht, wie Nielsen beiläufig bemerkt. Passend dazu gibt es Met, Gürtelhalter, Ständer und Schmuck - alles selbst entworfen und "Made in Breklum". Als kostenlose Draufgabe erhält jeder Besucher in Nielsens Laden zu den Unikaten aus Horn die passenden Storys. Wie die von dem weißen Ring, der aus der Menge des dunklen Hornschmucks auf der Verkaufsvitrine heraussticht. Diesen fertigte der Breklumer nämlich nicht aus Horn, sondern aus Knochen - "aus dem Schienbein meines Großvaters", sagt er mit einem Augenzwinkern.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen