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Tourismuszahlen in SH 2013 : Auf zu neuen Ufern

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Die Wetterabhängigkeit des Urlaubergeschäfts gerade in diesem Jahr zeigt: Schleswig-Holstein braucht eine neue Tourismusstrategie mit Breitenwirkung. Ein Kommentar von Frank Jung.

So groß die Erleichterung in der Tourismusbranche über die Renaissance des Sommers im Norden im Juli und August ist – für das große Aufatmen reicht es keinesfalls. Allzu kurz ist diese Zeitstrecke, um nach einem katastrophalen Frühling und Frühsommer Zuversicht aufkommen zu lassen. Im Gegenteil. Die verhaltene Stimmung fällt auf, wenn man dieser Tage mit Touristikern spricht. So ist die vorläufige Bilanz des Urlaubsjahrs 2013 vor allem eins: die Erkenntnis, dass Schleswig-Holsteins Tourismuskonzeption dringend der Erneuerung bedarf. Die Wetterabhängigkeit des Fremdenverkehrs ist zu groß.

Nun hat das Land zum Glück erstmals einen touristisch versierten Ressortchef im Wirtschaftsministerium. Und Reinhard Meyer hat eine Neufassung der Tourismusstrategie auch bereits für den Winter angekündigt. Doch die Erwartungshaltung, dass sie inhaltlich wirklich etwas bewegt, ist angesichts der Ernüchterung über den Konjunkturverlauf in diesem Jahr nun noch einmal eine ganz andere. Nicht nur auf das, was in dem Papier über Zielgruppen, Themen, Qualität und organisatorische Strukturen steht, wird es ankommen. Fast mehr noch darauf, ob ein Prozess gelingt, der die arg verschachtelte Branche durch eine kluge Moderation mitnimmt. Da mag man gewisse Hoffnungen in Meyer setzen, was den Anstoß von oben anbelangt. Keineswegs kann er jedoch allein das Ruder herumreißen. Ob der notwendige Aufbruch zu neuen Ufern gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob  sich die Praktiker im touristischen Alltag einen Ruck geben, an Schwachstellen Selbstkritik walten lassen und aktiv Innovation betreiben. Nur darauf zu warten, was von oben kommt, bringt nichts. Vermarkter, Vermieter und Verköstiger stehen da gleichermaßen in der Verantwortung. Weil in Schleswig-Holstein in der touristischen Leistungskette alles kleinteiliger strukturiert ist als etwa in Mecklenburg-Vorpommern oder gar am Mittelmeer, liegt hier der Hase im Pfeffer.

Bis eine neue Medizin wirkt, wird es mindestens übernächstes Jahr. Wenigstens zum Überbrücken für 2014 wird der Sommer 2013 etwas Rückenwind geben: Erfahrungsgemäß steigert einmal erlebtes gutes Wetter die Bereitschaft, im Folgejahr wiederzukommen. Nur nochmal ein Jahr später kann es wieder anders aussehen.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 11:33 Uhr

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