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Arme Stadtteile sollen aufblühen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hamburg plant mehr Wohnungen und bessere Infrastruktur gegen das Schmuddel-Image im Osten der Metropole

Im Osten Hamburgs was Neues: Der Senat will die Stadtteile östlich der Innenstadt zu einem der zentralen Stadtentwicklungsprojekte machen. Andy Grote, Leiter des Bezirksamts Mitte: „In der Gesamtdimension hat das stadtgeschichtliche Bedeutung, weil wir eine gedankliche Grenze überspringen.“ Tatsächlich lag der Fokus der Stadtplaner, aber auch vieler Bewohner bisher überwiegend auf den besonders beliebten Viertels rund um die Alster und westlich davon, wie Eppendorf, Eimsbüttel, Winterhude und Ottensen. Im Zuge der Ost-Offensive sollen nun die Mauerblümchen Hammerbrook, Rothenburgsort, Hamm, Horn, aber auch Billstedt erwachen. Bisher allesamt eher graue Stadtteile mit vielen Problemen und wenig Wohnwert.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) forciert die Pläne persönlich. Er will den Schwung der HafenCity-Begeisterung nutzen. „Wenn die HafenCity an den Elbbrücken ankommt, müssen wir dafür sorgen, dass die Kraft, die aus dieser Entwicklung entsteht, sich nach Süden und Osten weiterverbreitet.“

Bisher galt allein der Sprung über die Elbe nach Süden zur Veddel und nach Wilhelmsburg als wichtigste Fortsetzung der HafenCity-Erschließung. Nun hebt der Bürgermeister die Aufwertung des Ostens auf dieselbe Stufe. Hamm, Horn, Rothenburgsort und die anderen Quartiere hätten „sehr großes Potenzial“, findet Scholz. Auch, weil es dort „teilweise großartige Wasserlagen“ gebe. Der Sozialdemokrat erinnert daran, dass diese Ecke Hamburgs vor dem Zweiten Weltkrieg zur erweiterten Innenstadt gehörte. Inzwischen wirkt sie abhängt, ächzt unter hoher Verkehrsbelastung, Gewerbeansiedlungen und kämpft mit sozialen Problemen und gegen ihr Schmuddel-Image.

Ändern soll sich das bis etwa 2030 durch den Bau Tausender zusätzlicher Wohnungen, eine allgemeine Verbesserung des Lebensumfeldes sowie die Schaffung einer modernen Infrastruktur, einschließlich kultureller Angebote. Experten sehen in den Ost-Quartieren ein Potenzial für rund 20 000 zusätzliche Einwohner. Dabei verspricht Scholz: „Die Aufwertung wird ohne Verdrängung erfolgen.“

Die Planungen auf Senatsebene und im Bezirk Mitte laufen und sollen im Juni präsentiert werden. Am weitesten gediehen sind die Überlegungen für Hammerbrook. Zwischen Berliner Tor und Mittelkanal sollen in den kommenden fünf Jahren Wohnungen für etwa 4000 Menschen entstehen. Die Bevölkerungszahl würde sich damit dort mehr als verdreifachen. Zugleich entstehen in Hammerbrook mehrere Hotels und Unternehmenszentralen sowie Hausbootsiedlungen. Auch für das weitere Entwicklungsgebiet gibt es viele Ideen. Laut NDR denken die Planer unter anderem an Konzepte mit viel Mischbebauung für Wohnen und Kleingewerbe, einen Gewerbepark auf dem Gelände des alten Huckepackbahnhofes an der Billstraße (Rothenburgsort) sowie eine Fußgängerbrücke vom Elbpark Entenwerder (Rothenburgsort) zur östlichen Hafencity.

Parallel entwickelt ein „Bündnis für Quartiere“ bereits konkrete Projekte zur Aufwertung der Quartiere. Mit von der Partie sind das städtische Wohnungsunternehmen Saga GWG, Wohnungsgenossenschaften, private Bauunternehmen, der Bezirk Mitte sowie die Hamburger Wirtschaftsförderung. Ziel sei es, „in innenstadtnahen und bislang weniger im Fokus stehenden Quartieren Wohnungsneubau im Rahmen einer nachhaltigen Quartiersentwicklung zu realisieren“. Geplant ist zunächst ein Pilotprojekt für Rothenburgsort und Hamm-Süd.


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