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Hamburgs Ursprung : Archäologe findet die Hammaburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ursprung der Elbmetropole dürfte nach neuesten Erkenntnissen der Archäologie doch am Hamburger Domplatz liegen – auch wenn die Hammaburg bei Ausgrabungen 2006 nicht gefunden wurde.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Es war eine Riesen-Enttäuschung. Als Archäologe Karsten Kablitz und sein Team 2006 den Hamburger Domplatz umpflügten, fanden sie nichts, was auf die legendäre Hammaburg hindeutete. Scheinbar. Denn mehr als sieben Jahre später sind die Wissenschaftler überzeugt: Die Keimzelle und Namensgeberin der Hansestadt hat doch dort gelegen. Der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss, sagte dem Hamburger Abendblatt: „Nach jahrelanger Auswertung aller Grabungsergebnisse und nach ausgiebiger Fachdiskussion mit führenden Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen kann dies als gesichert gelten.“

Seit Jahrhunderten hatten die Fachwelt und die Hamburger gerätselt, wo die frühmittelalterliche Siedlung gelegen hatte, aus der die Stadt hervorging. Bekannt war seit jeher, dass die Burganlage im Jahr 832 bestanden haben musste, als Ansgar die Hammaburg zum Bischofssitz und zur Basis für seine Missionstätigkeit in Nordeuropa machte. 845, auch das gilt als verbürgt, überfielen und brandschatzten Wikinger den Handelsplatz, an dem seinerzeit nur wenige hundert Menschen gelebt haben dürften. Zwar vermuteten Archäologen und Historiker seit Langem, dass sich Hamburgs Ursprung am heutigen Domplatz befunden haben musste – nur Beweise für diese These gab es nie.

Nach Ende der größten Hammaburg-Grabung hatten Kablitz und Weiß 2007 ratlos und durchaus auch resigniert festgestellt: „Wir wissen nicht, wo die Hammaburg gelegen hat.“

Was folgte war eine lange, kleinteilige und akribische Analyse von Holzresten, Keramikscherben und anderem mehr, was die Forscher aus dem Untergrund zu Tage gefördert hatten. Dank neuester Verfahren zur Datierung der Fundstücke wurde die schon verworfene Vermutung Stück für Stück doch zur Gewissheit. Die Archäologen konnten vor allem zwei Einschätzungen revidieren, die gegen den Domplatz als historische Wiege der Stadt sprachen. So gehen die Holzreste einer doppelten Burgbefestigung nicht etwa auf das sechste oder siebte Jahrhundert zurück, sondern auf das achte. Damit sei klar, dass es sich bei der Anlage um die gesuchte Hammaburg handeln könnte. Anderes Material wiederum, das bislang auf das zehnte Jahrhundert datiert wurde, ist nachweislich älter und passt ebenfalls zur Theorie. Erstmal, so Weiss, stimmten die Funde nun mit den gesicherten schriftlichen Überlieferungen überein.

Der Chef-Archäologe sieht Konsequenzen für die Sicht auf die Anfangszeit der Stadt: „Man kann durchaus sagen, dass Hamburgs Geschichte in Teilen neu geschrieben werden muss.“ Nun stehe fest, dass Hamburg weder planmäßig auf Geheiß von Kaiser Karl des Großen entstand noch als bischöfliche Gründung Ansgars. Weiss: „Die Burg hat sich aufgrund der günstigen verkehrsgeografischen Lage im achten Jahrhundert einfach entwickelt.“ Die Siedlung befand sich auf einer Landzunge, an drei Seiten schützend umgeben von der mäandernden Alster.

Nicht abzusehen ist, was die Erkenntnisse für die Zukunft des Domplatzes bedeuten. Dieser ist unbebaut, dient als Mini-Park. Stadtplaner sehen in dem Ort indes ein Scharnier zwischen der traditionellen City an der Alster und der HafenCity und wünschen sich eine anspruchsvollere Gestaltung. In der Vergangenheit hatte es teils hochtrabende Ideen für eine Bebauung gegeben. Zu den Vorschlägen zählten ein Parlamentsgebäude für einen Nordstaat sowie ein Kulturzentrum nach dem Vorbild des Pariser Centre Pompidou. Am weitesten gediehen waren die Pläne für einen Glas-Solitär-Bau, der im Anschluss an die Grabung von 2006 entstehen sollte. Allerdings nahm der Senat davon Abstand, als die Kosten explodierten und die öffentliche Kritik an der Architektur zu laut wurde.

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