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Gesundheit : Anhaltende Grippewelle: Rekordzahlen bei Krankmeldungen SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Grippewelle ist noch immer nicht ausgestanden. Auch in Schleswig-Holstein ist sie ungewöhnlich lang und heftig.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 19:36 Uhr

Auch an diesem Wochenende liegen viele Schleswig-Holsteiner im Bett statt in der Sonne: mit Fieber, Schüttelfrost und teilweise schwerer Bronchitis. „Die Grippesaison 2015 ist nicht nur ungewöhnlich heftig, sondern sie dauert auch ungewöhnlich lang“, berichtet der Chef des schleswig-holsteinischen Hausärzteverbandes, Thomas Maurer. In seiner Praxis im nordfriesischen Leck verarztet er noch immer täglich 10 bis 20 Neuerkrankte, die mit fiebrigen Atemwegsinfekten zu kämpfen haben. „Diese Häufung ist für die Jahreszeit absolut unüblich“, so Maurer. Auch der Krankheitsverlauf sei ungewöhnlich. „Meist schütteln Patienten eine Erkältung spätestens nach acht Tagen ab und fühlen sich dann wieder fit. Derzeit höre ich aber viele Klagen, dass man sich wochenlang müde und schlapp fühlt und immer noch nicht gesund ist“. Ähnlich Beobachtungen machten seine Kollegen im ganzen Land.

Auch die nackten Zahlen sprechen dafür, dass die Grippeperiode 2015 aus der Rolle fällt. Meldete das Kieler Institut für Infektiologie für das gesamte Jahr 2014 nur 118 nachgewiesene Influenza-Fälle („echte“ Grippe), sind es in den ersten 14 Wochen dieses Jahres bereits über 1700 – mit Schwerpunkten in Steinburg, Lauenburg und Ostholstein. „Nachdem die Influenza-Saison 2014 quasi ausgefallen ist, hatten wir in diesem Jahr eine deutlich ausgeprägte Erkrankungswelle mit teilweise schweren Verläufen,“ berichtet Instituts-Chef Professor Helmut Fickenscher. Dabei liege die Zahl der Erkrankten sicherlich deutlich höher, als die offiziellen Zahlen darlegen, weil nicht alle Ärzte ihre Diagnosen im Labor bestätigten lassen.

Bundesweit erwischte der Influenza-Virus offiziell bisher mehr als 60.000 Menschen. Die Zahl ist möglicherweise auch deshalb so hoch, weil der aktuelle Grippeimpfstoff auf die in dieser Saison zirkulierenden Influenza-Viren nicht optimal reagierte. Geimpfte waren deshalb nicht so gut vor Grippe geschützt, wie in den Jahren zuvor.

Rekordzahlen melden auch die Krankenkassen im Norden. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Krankenstand wegen Atemwegserkrankungen im Februar 82 Prozent über dem im Februar 2014, im März waren es noch 63 Prozent. Etwa jeder siebte Erwerbstätige hatte sich zwischen Dezember 2014 und März 2015 wegen einer Atemwegsinfektion oder Grippe krankgemeldet, wie die Kasse gestern mitteilte. Die meisten Krankschreibungen bei den AOK-Versicherten gab es in Schleswig-Holstein im März mit 74.052. Das war sogar noch eine Steigerung von gut fünf Prozent gegenüber dem Februar und bestätigt die Beobachtung der niedergelassenen Ärzte über die extreme Dauer der Grippesaison 2015 – üblicherweise erreicht die Erkältungswelle nämlich schon im Februar ihren Höhepunkt und klingt dann ab.

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