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Angriff der Nordsee: Hörnumer in Angst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Sylter Südspitze ist innerhalb eines halben Jahrhunderts um die Hälfte kleiner geworden – die Küstenlinie rückt inzwischen dicht an die Siedlung heran

Die Sylter sind in Sorge um die Südspitze ihrer Insel, die sogenannte Hörnum-Odde. Im Laufe der letzten 50 Jahre ist dort immer mehr Sand verloren gegangen. „Ich kenne die Odde seit 1978. Das war ein gewaltiger Marsch und jetzt dauert es keine Stunde mehr und man ist rum“, schreibt ein Urlauber auf Facebook und auch Rolf Speth, Bürgermeister der südlichsten Inselgemeinde, sieht es ähnlich: „Die Südspitze hat sich in 65 Jahren mindestens um die Hälfte reduziert.“ Er plädiert seit Monaten dafür, dass das Land mehr Gelder für den Schutz der Odde bereitstellt. Ansonsten drohe Hörnum bald überflutet zu werden.


Wasser dringt in Dünentäler ein


Wasser auf den Mühlen des Bürgermeisters: Anfang Dezember hatte der Orkan „Xaver“ an der Odde so stark gewütet, dass die Insel hier rund 40 Meter schmaler geworden ist. In der Hörnumer Dünenkette entstanden so große Lücken, dass Wasser in die Dünentäler eindringen konnte. Nach Ansicht der Hörnumer ist die Siedlung Süderende, die gleich hinter den Dünen liegt, deshalb nun akut gefährdet. „Früher konnte man die Häuser vom Strand aus nicht sehen – so hoch waren die Randdünen. Jetzt sind diese Dünen verschwunden und bei der nächsten Sturmflut fließt das Wasser ungehindert bis zu den Häusern“, glaubt Lars Kossowski. Der Hörnumer hat im Dezember die Facebook-Gruppe „Rettet die Hörnum Odde“ gegründet, die mittlerweile fast 3000 Mitglieder hat. Auch sie finden: Das Land muss was tun.

Unübersehbares Zeichen für den Unmut der Hörnumer ist die große Beteiligung an der Unterschriftenaktion, die der Süderende-Anwohner Dirk Rasenack Anfang Januar ins Leben gerufen hat. Er erhoffte sich 1000 Unterschriften, um den Druck auf das Land zu erhöhen – mittlerweile sind es bereits 2400. Mitte Februar soll die Liste Umweltminister Robert Habeck übergeben werden.

Aber wie reagiert das Land auf die Sorgen der Sylter? Nach Ansicht von Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, ist die Gefahr längst nicht so akut, wie sie die Hörnumer darstellen. Damit Wasser in die Siedlung Süderende einlaufen könnte, müsste es auf über fünf Meter über Normalnull ansteigen. Während des Orkans „Xaver“ hätte der Wasserstand allerdings 3,26 Meter nicht überschritten. „Wir können nichts anderes machen, als mit den Fakten zu arbeiten, um die Sorgen auf Sylt zu entkräften“, so Oelerich. Viele Hörnumer glauben allerdings nicht, dass die Gefahr wirklich so gering ist, wie von den Küstenschützern dargestellt. Außerdem geht ihnen die Haltung des Landes zur Aufgabe des Küstenschutzes nicht weit genug. Sie wünschen sich, dass nicht nur die Siedlung, sondern auch die Südspitze der Insel erhalten wird.

In einer Stellungnahme machte Minister Habeck seine Position dazu deutlich: „Aufgabe des Küstenschutzes ist der Schutz der Menschen und nicht das Verhindern jedweder natürlicher Prozesse an der Küste. Die Hörnum Odde ist seit jeher Veränderungen unterworfen gewesen.“ Die Haushaltsmittel des Landes, des Bundes und der EU könnten nur für den Schutz der Menschen vor Sturmfluten eingesetzt werden.


Tetrapoden sollen Kraft der Nordsee brechen


Dem widerspricht Hörnums Bürgermeister Speth: „Minister Habeck hat selber gesagt, dass Sylt ein Bollwerk für das Festland ist. Und die Südspitze ist Teil dieses Bollwerks.“ Immerhin habe Habeck der Gemeinde Hörnum nun zugesichert, das schützende Tetrapoden-Längswerk um 150 Meter zu verlängern.

Bei den Tetrapoden handelt es sich um vierarmigen Betonkörper, die am Strand vor der Siedlung Süderende liegen und als Wellenbrecher dienen. Sie wurden 1968 einmal quer und einmal längs des Strandes verlegt, um dafür zu sorgen, dass die heranrollenden Wellen vor dem Aufprall auf die Dünenkante an Energie verlieren. Das funktioniert aber nur teilweise: Durch die Betonkörper entwickeln sich Wasserverwirbelungen und südlich des sogenannten Längswerks geht immer mehr Sand verloren. Andererseits aber schützte das Längswerk die Siedlung. Durch die geplante Verlängerung rückt der Punkt, an dem das Wasser mit voller Kraft auf die Küste trifft, weiter nach Süden. Für die Anwohner allerdings nicht weit genug.

Stattdessen wünscht sich der Inselsüden, dass in Hörnum mehr aufgespülten Sand, mehr Tetrapoden am Wasserrand, und dass die Tetrapoden, die ins Wassser rein gebaut worden sind, entfernt werden. Bürgermeister Rolf Speth schlägt vor, beim Land einen eigenen Geldtopf für die Hörnum Odde einzurichten, um den Sand der Odde, der sich auf den südlichen Sandbänken abgelagert hat, Jahr um Jahr per Aufspülung wieder zurück zu holen. Auf diese Vorschläge reagiert Johannes Oelerich vom Landesbetrieb für Küstenschutz abweisend. „Ich werde zu solchen Spekulationen nichts sagen. Wir arbeiten mit den Fakten.“ Bürgermeister Rolf Speth hält dagegen: „Die Natur macht was sie will – das kann man nicht genau vorausberechnen.“

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erstellt am 18.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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