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Angeklagter weist Mordvorwurf zurück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Überraschung am ersten Prozesstag um den Tod eines Kieler Rentners: Klaus-Heinrich Just soll umgefallen und gestorben sein

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 11:55 Uhr

Es gibt eine Strategie für Strafprozesse, die der Lübecker Knast-Ausbrecher und Mörder Christian Bogner einmal für sich niedergeschrieben hat: Schweige zu den Vorwürfen der Polizei, warte die Ermittlungsergebnisse ab und dann präsentiere dem Gericht eine dazu passende Version der Ereignisse, die dich entlastet.

Im Mordfall an dem Rentner Klaus-Heinrich Just aus Kiel-Suchsdorf scheint der Angeklagte eine solche Strategie zu verfolgen. Nach seiner Aussage ist der 82 Jahre alte Just plötzlich zusammengebrochen und gestorben. „Ich weise  den mir vorgeworfenen Mord entschieden zurück“, sagte Stefan M. (46) gestern unter Tränen vor dem Kieler Landgericht.

Der Staatsanwalt ist sich jedoch sicher: Der arbeitslose Schleiftechniker hat den Kieler Rentner am 4. Oktober 2013 aus Habgier erwürgt und mit dessen EC-Karten 2990 Euro abgehoben. Die Leiche von Just wurde erst über zwei Wochen später an der Böschung des Kanals unter der Alten Levensauer Hochbrücke gefunden.

Für das Gericht hat Stefan M. eine Erklärung vorbereitet, drei DIN-A4-Blätter, dicht beschrieben. „Meine Ehefrau hat als Haushaltshilfe bei Herrn Just gearbeitet“, verliest er. „Mir kam der Gedanke, mal bei ihm vorbeizuschauen und um ein Darlehen zu bitten. Ich klingelte, und Herr Just öffnete mir in Socken. Er erklärte, er habe sich hingelegt, weil es ihm nicht gut ginge.“ In der Wohnung soll der ehemalige Unternehmer, der nach einer Rückenoperation auf einen Rollator angewiesen war, den Angeklagten gebeten haben, ihm ein Glas Wasser zu holen. „In der Küche hörte ich laute Geräusche und lief ins Wohnzimmer. Dort lag Herr Just auf dem Boden, offenbar gestürzt.“ Der Angeklagte will an dem Rentner gerüttelt und gerufen haben: „Herr Just, was ist passiert?“ Klaus-Heinrich Just soll Blut im Gesicht gehabt haben. „Ich wollte den Notarzt rufen, hatte aber kein Handy dabei. Und das Telefon von Herrn Just konnte ich nicht finden.“ Wenig später habe der Rentner sich nicht mehr bewegt. „Aus Angst wegen meiner kriminellen Vergangenheit wollte ich nicht mit seinem Tod in Verbindung gebracht werden – einmal Straftäter, immer Straftäter“, erklärt Stefan M., der wegen Einbrüchen und Kfz-Schiebereien verurteilt worden war. Er sei jedoch der Versuchung erlegen, die Haustürschlüssel und das Portemonnaie mitzunehmen. Darin lagen die EC-Karten und ein Zettel mit den PIN-Nummern.

Vermummt mit einem Motorradhelm habe er in Kiel Geld abgehoben. „Dann habe ich beschlossen, den Leichnam zu verstecken, um zu verhindern, dass die EC-Karten gesperrt werden.“ Er sei zum Haus des Rentners zurückgekehrt und habe den Toten in eine Decke gewickelt. Die Wohnung habe er mit Putzmitteln gereinigt, um seine Spuren zu verwischen, danach die Leiche am Kanal im Unterholz versteckt.

Seine inzwischen von ihm geschiedene Frau habe nichts davon gewusst, sagt der Angeklagte. „Ich bin losgefahren, um meinen kranken Vater zu besuchen, und dachte mir, ich könnte einen überregionalen Täter vortäuschen.“ In Alsleben (Sachsen-Anhalt) und in Burglengenfeld (Ostbayern) hob Stefan M. erneut Geld ab. Weinend sagt er: „Ich bereue zutiefst, den Tod von Herrn Just ausgenutzt und nicht für eine angemessene Bestattung gesorgt zu haben.“

Der Verteidiger von Stefan M. betont, es habe keine Hinweise auf ein Kampfgeschehen oder Spuren von Gewalteinwirkung bei dem Toten gegeben. Die Staatsanwaltschaft habe sich zu früh auf einen Tathergang festgelegt.

Der Vorsitzende Richter sagt: „Wir werden die Erklärung des Angeklagten sorgsam mit den Ergebnissen der Beweisaufnahme abgleichen.“

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