Anfang vom Ende der Autostadt Hamburg

<strong>Mehr Raum für Radfahrer </strong>soll in Hamburg entstehen.<foto>dpa</foto>
Mehr Raum für Radfahrer soll in Hamburg entstehen.dpa

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19. Juni 2012, 01:14 Uhr

Hamburg | Dauervorfahrt für das Verkehrsmittel Auto? Diese Zeiten sollen in Hamburg vorbei sein. Der Senat will Fußgängern, Radlern sowie Nutzern von Bussen und Bahnen das Fortkommen deutlich erleichtern - wenn es sein muss, auch auf Kosten des motorisierten Verkehrs. Hamburg läutet den Anfang von Ende des autogerechten Stadt ein.

Die neue Richtung hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestern in einer Rede beim Konvent der Baukultur in der Hansestadt vorgegeben. Vor 350 teils hochkarätigen Stadtplanern, Architekten und Verkehrsexperten verwies er auf sich ändernde Bedürfnisse der Menschen in der Großstadt: "Es besteht eine zunehmende Bereitschaft, wieder mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen und auch den öffentlichen Nahverkehr stärker in Anspruch zu nehmen." Laut Scholz muss die Stadtentwicklungspolitik deshalb ins Straßenbild eingreifen, um eine Akzentverschiebung zu erreichen. Seine Forderung: "Wir brauchen innerhalb bestehender Straßenprofile mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und Busse." Das heiße mehr Radwege und breitere Bürgersteige, "auch mal durch partiellen Verzicht auf Parkplätze und überflüssige Fahrspuren". Als konkrete Beispiele nannte der Bürgermeister die City-Straßen Neuer Wall, Große Bleichen, Dammtorstraße und Heuberg.

Überdies erneuerte der Senatschef die Ankündigung, mehrere hundert Millionen Euro in den Ausbau des Hamburger Busverkehrs zu investieren. Und: Um Mobilität mit weniger Autoverkehr zu schaffen, soll es zudem Leihstationen für E-Fahrzeuge an großen U- und S-Bahnhöfen geben. Die bundesweit diskutierten Forderungen nach City-Maut und Tempo 30 machte sich der Bürgermeister indes nicht zu eigen.

Das Treffen der Bundesstiftung Baukultur befasste sich an zwei Tagen intensiv mit der Frage, wie Verkehr und Stadtgestaltung besser unter einen Hut passen. Gerade in Hamburg sehen die Experten Handlungsbedarf für eine menschlichere Verkehrspolitik. Michael Braum, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur: "Auch in Hamburg verkommt der öffentliche Raum in weiten Teilen zu einem Transitraum, insbesondere im Umfeld der Hauptstraßen." Die Willy-Brandt- und die Ludwig-Erhardt-Straße (frühere Ost-West-Straße) seien Beispiele solch "nicht integrierter" Verkehrsachsen. Ärgerlich seien auch "Schilderwälder, rote Fahrradwege und die Verwahrlosung verkehrsnaher Grünflächen".

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