Gefahr von Pflegenotstand : Altern in SH: Bald immer mehr über 80-Jährige

Bald werden im Norden nicht mehr fünf, sondern fast neun Prozent der Menschen im Alter von 80 und darüber sein – mehr als in jedem anderen westdeutschen Land.
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Bald werden im Norden nicht mehr fünf, sondern fast neun Prozent der Menschen im Alter von 80 und darüber sein – mehr als in jedem anderen westdeutschen Land.

Der Anstieg von fast 70 Prozent ist stärker als in fast jedem anderen Bundesland. Die Gefahr von Pflegenotstand wächst.

shz.de von
08. Juli 2015, 20:45 Uhr

Schleswig-Holsteins Bevölkerung wird bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts stark altern. Die Zahl der hochbetagten Menschen im Alter von 80 Jahren und mehr wächst bis zum Jahr 2030 um 100.000 auf 246.000. Der Anstieg von fast siebzig Prozent ist stärker als in jedem anderen Bundesland außer Berlin. Das geht aus einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Das mittlere Alter der Schleswig-Holsteiner erhöht sich dadurch von 46 auf 50 Jahre. Höher wird es in anderthalb Jahrzehnten nur in den ostdeutschen Ländern und im Saarland sein.

Die Bertelsmann-Stiftung appelliert an die Städte und Gemeinden im Norden, sich früh auf die steigenden Erfordernisse bei der Betreuung alter Menschen einzustellen. „Die zunehmende Alterung in der schleswig-holsteinischen Bevölkerung bedeutet einen erhöhten Pflegebedarf in den Kommunen“, sagte Stiftungschefin Brigitte Mohn.

Bald werden im Norden nicht mehr fünf, sondern fast neun Prozent der Menschen im Alter von 80 und darüber sein – mehr als in jedem anderen westdeutschen Land. Wenn die Politik nicht rechtzeitig handle, sagte Mohn, „droht die Gefahr von Versorgungslücken durch zu wenig Pflegekräfte“. Schleswig-Holsteins Landkreistag warnte angesichts der Alterung zudem vor „Problemen, Schulen und Kindertagesstätten aufrecht zu erhalten“. Der aus Nordfriesland stammende Bevölkerungsforscher Bernd Raffelhüschen fürchtet gar: „Langfristig werden wir die Hälfte der Schulen schließen müssen.“

Besonders groß ist der demografiebedingte Handlungsbedarf in Kropp bei Schleswig: Laut Studie nimmt die Zahl der Hochbetagten hier mit fast 200 Prozent so stark zu wie in keinerm anderen deutschen Ort mit Ausnahme von Kirchheim bei München. Das mittlere Alter steigt in Kropp bis 2030 von 47 auf 55 – wird aber noch unter dem in der Gemeinde mit den ältesten Einwohnern im Land liegen: Das ist mit 62 Jahren das Ostseebad Grömitz. Kropps Bürgermeister Stefan Ploog hat auf die demografische Herausforderung bereits reagiert: „Wir halten alle Versorgungseinrichtungen vor und binden ältere Damen und Herren so intensiv wie möglich ins Gemeindeleben ein“, sagt er.

Jung bleiben dagegen auch künftig Studentenstädte wie Kiel oder Flensburg: Dort steigt das mittlere Alter der Bürger in den nächsten anderthalb Jahrzehnten nur von 41 auf 43. Auch wächst die Bevölkerung.

Mehr noch boomt das Hamburger Randgebiet: Dort verzeichnen Glinde, Bargteheide und Henstedt-Ulzburg die landesweit höchsten Einwohner-Zuwächse. Norderstedt ist zudem kurz davor, Neumünster den Rang als viertgrößte Stadt im Land abzulaufen. So kommt es, dass Schleswig-Holstein sogar eines von nur sieben Bundesländern ist, in dem die Einwohnerzahl bis 2030 steigt – wenn auch nur um 0,4 Prozent auf 2,82 Millionen.

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