Alle Urlaubsorte sind gleichwertig

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel | Im Streit um die Neureglung der Sonntagsöffnungzeiten in Fremdenverkehrsorten ist eine erste Entscheidung gefallen. Die ursprünglich geplante Einordnung der Orte in drei Kategorien je nach ihrer touristischen Bedeutung ist vom Tisch. "Nach einem entsprechenden Gutachten fehlt für eine solche Kategorisierung eine grundlegende Datenbasis", sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) gestern in Kiel.

Meyer hatte die Fachhochschule Westküste beauftragt, wissenschaftlich belastbare Kriterien für die Einstufung zu entwickeln, von der dann die Dauer verkaufsoffener Sonntage abhängig sein sollte. Ferienorte wie Eckernförde, Kappeln oder Glückstadt hatten daraufhin um ihren Status gefürchtet, da es zunächst hieß, neben Sylt erfüllten nur die Badeorte an der Lübecker Bucht die nötigen Kriterien.

Entsprechend groß ist jetzt die Freude: "Eine sehr gute Nachricht für uns in Eckernförde", meint Bürgermeister Jörg Sibbel (parteilos). Immerhin verzeichne die Stadt mit 1,6 Millionen Tagesgästen einen großen Zulauf, der durch zusätzlich eingeschränkte Sonntagsöffnungszeiten erheblich gelitten hätte.

Offenbar musste das Drei-Klassen-System ad acta gelegt werden, weil es keine belastbaren Daten über Übernachtungszahlen und Tourismusintensität gibt. Der Grund: Privat-Vermieter mit weniger als zehn Betten werden statistisch nicht erfasst. Auch über Gemeinden mit weniger als drei gewerblichen Beherbergungsstätten oder Zeltplätzen gebe es aus Datenschutzgründen keine Zahlen. Am Dienstag soll der Runde Tisch zur Bäderregelung erneut zusammentreten. An ihm sitzen auch die Kirchen, die durch ihre Normen-Kontroll-Klage die Diskussion über die Sonntags-Öffnung erneut ins Rollen gebracht hatten. So fordert die Nordkirche die Begrenzung der Sonntags-Saison von Ende März bis Ende Oktober (zurzeit: 15. Dezember bis 31. Oktober), die Verkürzung der Ladenöffnungszeiten von acht auf maximal fünf Stunden ab 12 Uhr, sowie die Reduzierung der Anzahl der priviligierten Gemeinden und des Warenangebotes.

Die Entscheidung, jetzt doch keine Kategorisierung der Orte vorzunehmen, wird auch von der Kirche begrüßt. "Dies war von vornherein ein Vorschlag, der uns nicht überzeugt hat, denn der Sonntag ist für uns überall gleich wertvoll", sagte Bischofsbevöllmächtigter Gothart Magaard.

Meyer stellte klar, die Bäderegelung sei eine Ausnahmeregelung für 8,5 Prozent der Gemeinden im Norden. "Sie ist wichtig für Tourismus und Handel im Land", so der Minister."Aber klar ist schon jetzt, dass eine einvernehmliche Regelung nicht so aussehen wird, wie die jetzige Regelung." Für den Unions-Abgeordneten Jens-Christian Magnussen ein Hinweis darauf, das Meyer die Tourismusorte offensichtlich schon auf eine Verschlechterung vorbereitet. "Ich erwarte, dass er für die Fortsetzung der bestehenden Bäderregelung kämpft. Diese ist ausgewogen und hat sich bewährt", sagte Magnussen.

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