zur Navigation springen

Abschied mit den Scorpions

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zu den Klängen von „Wind of Change“ geht Vizeadmiral Axel Schimpf in den Ruhestand – neuer Marineinspekteur ist der Lübecker Andreas Krause

Als der letzte Akkord von „I am sailing“ verklungen ist, frischt der Wind kurz auf. Die Symbolik hätte nicht passender sein können. Vizeadmiral Axel Schimpf ist ein Mann der See. Er liebt den Wind. In seiner Karriere musste er aber auch mit Gegenwind umgehen lernen. Gestern hat der Marine-Inspekteur das Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Andreas Krause übergeben und sich in den Ruhestand verabschiedet.

Als die Musik beim Großen Zapfenstreich an der Marineschule Mürwik in Flensburg erklingt, blickt Schimpf raus auf die Förde. Neben ihm steht auf einem kleinen, roten Podest – etwa gleich groß – Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die die Ärmel ihres Mantels weit über die Finger gezogen hat. Sie schauen auf die Fackelträger und das Marinemusikkorps. Im Wasser sind die Lichter der Korvette „Magdeburg“ zu erkennen. Die Stimmung ist feierlich.

Drei Lieder kann sich der 62-jährige Vizeadmiral zu seinem Abschied aussuchen. Er wählt den „Marche des soldats de Robert Bruce“ („Ein wunderschönes Stück“), „Wind of Change“ von den Scorpions („Ich habe viele Wechsel bei der Marine erlebt“) und Rod Stewarts Klassiker „I am sailing“ („Ich glaube, das steht für sich“). Nun segelt Schimpf in die Freiheit, die für ihn mehr Freizeit bedeutet. Mit seiner Frau zieht er von Rostock nach Hamburg. Er will mehr Zeit mit (privaten) Reisen verbringen, er will mehr Zeit für Kultur haben.

Schimpfs Leben ist die Marine. 43 Jahre hat er ihr gedient. An seinem letzten Arbeitstag kehrt er an die Marineschule Mürwik zurück. Der Ort, an dem er vor vier Jahrzehnten seine Karriere mit der Offiziersausbildung begann – und an dem ihn der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor viereinhalb Jahren zum wichtigsten Mann der Marine machte.

Der Vizeadmiral hatte gute Zeiten in der Marine, besonders als Kommandant eines Schnellbootes und eines Zerstörers. Schimpf hatte aber auch schlechte Zeiten. Es gab „dunkle Momente“, wie er eingesteht – und nennt ein Wort, das ihm schwerfällt: „Die Gorch-Fock-Affäre“. Er verbessert sich direkt: „Die Geschehnisse um die Gorch Fock.“ Er sei dankbar, dass das Traditionsschiff wieder „in ruhigem Fahrwasser unterwegs“ sei. Er hätte es sich wohl nie verziehen, wenn unter seinem Regiment die Gorch Fock für immer aus dem Wasser geholt worden wäre. Auch die Bundeswehrreform und das Aussetzen der Wehrpflicht haben ihm bei seiner Arbeit schwer zugesetzt. Kein Stein sei auf dem anderen geblieben, sagt Schimpf. „Wir werden noch Jahre brauchen, bis die richtigen Leute mit der richtigen Qualifikation auf den richtigen Stellen sitzen werden.“

Bei einem Rückblick kommt er ebenso nicht an den Ausrüstungsmängeln vorbei. Das Material sei veraltet, neue Ausrüstung notwendig. Mittlerweile habe die Marine nur noch vier einsatzfähige „Sea King“-Hubschrauber. Es ginge aber bergauf. „Wir haben jetzt durchgängig eine Maschine auf Helgoland stationiert“, sagt der scheidende Inspekteur.

Insgesamt, das ist ihm wichtig zu betonen, „haben wir die Aufträge, die uns zugetragen wurden, erfüllt“. Überall, wo die Marine eingesetzt wurde, sei es eine Erfolgsgeschichte gewesen. Schimpf nennt den Einsatz gegen die Piraten am Horn von Afrika, die Unterstützung bei der Vernichtung chemischer Waffen in Syrien und die Überwachung des Seeverkehrs im östlichen Mittelmeer, die auch die Ausbildung der libanesischen Seestreitkräfte beinhaltet.

Nun übergibt Schimpf das Ruder an seinen vier Jahre jüngeren Vertreter Andreas Krause. Wenige Stunden vor der feierlichen Übergabe durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, offenbart der neue starke Mann seine Gefühlslage. „Es kribbelt auf dem Rücken“, gibt er offen zu. „Und es wird gerade etwas mehr.“ Wenig später ist er der Marineinspekteur – und damit verantwortlich für etwa 15 000 Marine-Soldaten. Er spüre große Vorfreude, aber auch gehörigen Respekt. Der geborene Lübecker muss die Neuausrichtung der Teilstreitkräfte weiter vorantreiben. Das Wort „Attraktivitätssteigerung“ nennt er häufiger. Die Marine soll attraktiver werden. Für neues, aber auch für das bestehende Personal. Zudem muss das Material besser werden. „Nur wenn wir gutes Material haben, sind wir attraktiv“, sagt Krause. Personal und Material hingen eng miteinander zusammen. Als Sinnbild nennt er die Fregatte F125, für die die Marine mit dem Slogan „Ein neues Schiff für neue Aufgaben“ wirbt. Allerdings betonte er: „Jedem muss klar sein, dass es in den Einsatz gehen kann und in letzter Konsequenz das Leben gefährdet ist.“

Der Vizeadmiral will neue Wege gehen – und nutzt zur Verdeutlichung ein klassisches Bild aus der Seefahrt: „Nur wenn alle Leinen losgeworfen sind, kommen wir von der Pier.“ So will er auch nicht ausschließen, dass Schiffe im Ausland gebaut werden.

Die Neuausrichtung der Marine ist bis 2017 ausgelegt. Für Krause wird sie viel Arbeit bedeuten. Sein Vorgänger Schimpf wird mit Spannung beobachten, wie sich der neue Mann schlägt.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 15:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert