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Abbruch der Kultstätte gilt als sicher

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Hamburg | Das Ende der Esso-Häuser auf St. Pauli rückt näher. Der Eigentümer, die Münchner Immobilienfirma Bayerische Hausbau, hat einen Abrissantrag für die beiden achtgeschossigen Wohnhäuser, die Ladenzeilen am Spielbudenplatz sowie die bekannte Esso-Tankstelle an der Taubenstraße gestellt. Grünes Licht vom Bezirk Mitte für einen Abbruch gilt als sicher. Im Juni hatte ein Gutachten festgestellt, dass die Bausubstanz des unansehnlichen Gebäudekomplexes aus den 60er Jahren durch und durch marode ist. Seither sind sich Politik und Investor einig: Eine Sanierung wäre deutlich zu teuer, mithin ein Neubau die einzig vernünftige Lösung. Bei einem Infoabend bekräftigte die Bayerische Hausbau ihre Absicht, auf den Grundstücken in bester Kiezlage ein neues Ensemble für Wohnungen, Büros, Läden und Lokalen zu errichten. Bernhard Taubenberg, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Spielbudenplatz, nannte erstmals konkrete Eckdaten. "Wir planen 19 500 Quadratmeter Geschossfläche für Wohnungen, zu je einem Drittel in öffentlich geförderte sowie Miet- und Eigentumswohnungen aufteilt." Die Wohnfläche würde sich damit vervierfachen.

Weichen müsste auch die deutschlandweit bekannte Esso-Tankstelle, deren Funktion als "Dorfplatz St. Paulis" der Investor aber erhalten will. Entlang des Spielbudenplatzes soll zudem eine Ladenzeile mit verdoppelter Nutzfläche von 5000 Quadratmetern entstehen. Der Schwerpunkt werde dort auf "St. Pauli-affinem Gewerbe" liegen, so Taubenberger. Den Musikclub "Molotow" möchten die Münchener dort gern halten. Zur Gestaltung der gesamten Neubebauung soll es einen Architektenwettbewerb geben.

Den noch etwa 90 Mietern garantiert der Eigentümer ein Rückkehrrecht in eine der 107 neuen Sozialwohnungen. Taubenberg: "Und das zu den aktuellen Bruttoquadratmetermieten." Dien Bewohnern sagt die Bayerische Hausbau Unterstützung bei der Suche nach einer Ersatzwohnung sowie Umzugshilfe zu. Bis Mitte 2014 sollen die Hochhäuser "entmietet" sein. 2015 ist als Baubeginn angepeilt, die Fertigstellung könnte 2017 sein - wenn alles klappt. Das ist jedoch fraglich. Auf St. Pauli und darüber hinaus gibt es unverändert einen aktiven Widerstand gegen den Abriss der Häuser. Die schmuddeligen Nachkriegsbauten sind zum Symbol im Kampf gegen die Vertreibung angestammter Kiez-Bewohner durch Aufwertung geworden. Steffen Jörg von der Initiative Esso-Häuser forderte erneut, die Gebäude zu erhalten und zu sanieren. Die Eigentümer hätten die Immobilie verrotten lassen, um sie jetzt abreißen zu können. Jörg: "Der Bezirk darf nicht die Profitinteressen eines Immobilienunternehmens zu seiner Entscheidungsgrundlage machen." Unterstützung erhält die Initiative auch von Prominenten. Ein Manifest zur Rettung der Esso-Häuser haben unter anderem die Hamburger Musiker Udo Lindenberg, Jan Delay und Ted Gaier unterschrieben.

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erstellt am 16.Aug.2013 | 01:14 Uhr

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