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Prozess in Leipzig : A20-Weiterbau droht neue Pause

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Bundesverwaltungsgericht zweifelt am Fledermausschutz – und könnte die Planung des Landes kippen. Die mögliche Folgen reichen von einer leichten Verzögerung des Baus bis zu einer zeitraubenden Neuplanung der Trasse.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Leipzig/Kiel | Ein Urteil fiel gestern noch nicht – doch womöglich muss Schleswig-Holstein die Planung für die Fortsetzung der A20 von Bad Segeberg bis Wittenborn wegen unzureichender Schutzmaßnahmen für seltene Fledermausarten gründlich ändern. Das zeichnete sich gestern bei der mündlichen Verhandlung mehrerer Klagen gegen den Weiterbau der Autobahn vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ab. Die möglichen Folgen reichen von einer leichten Verzögerung des Baus bis zu einer zeitraubenden Neuplanung der Trasse. Die Verhandlung geht heute weiter, das Urteil soll am 6. November fallen.

Die A20 durchkreuzt in dem zehn Kilometer langen Abschnitt bei Bad Segeberg eines der wichtigsten Fledermausschutzgebiete Europas. Im Schutzgebiet bei den Segeberger Kalkberghöhlen überwintern regelmäßig 21.000 Tiere; unter den 14 Arten sind auch seltene wie die Bechstein- oder die Teichfledermaus. Während des restlichen Jahres herrscht um Bad Segeberg und im Travetal reger Flugverkehr der Fledermäuse. Den sehen Naturschützer durch die A20 gefährdet: Sie fürchten, dass viele Tiere ums Leben kommen.

Auch die Richter gaben durch wiederholte kritische Fragen zu verstehen, dass sie skeptisch sind, ob die geplanten Querungshilfen und Kollisionsschutzwände die Tiere genügend schützen. Zudem äußerte der vom Gericht hinzugezogene Experte Dirk Bernotat vom Bundesamt für Naturschutz klare Zweifel, ob der Landesbetrieb Straßenbau von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) den Bestand und die Flugrouten der Fledermäuse im Planungsgebiet der A20 korrekt erfasst habe. „Die Methode entspricht nicht dem Stand der Technik und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen“, kritisierte er.

Land sagt Nachbesserungen zu
Welche Konsequenzen sich aus Zweifeln des Gerichts ergeben würden, ist offen. Denkbar ist, dass die Leipziger Richter eine neue Bestandsaufnahme der Fledermäuse und ihrer Flugrouten anordnen. Oder sie könnten gleich zusätzliche Schutzbauwerke für die Tiere verlangen. Das Land sagte gestern bereits weitere Schutzmaßnahmen im östlichen Bereich des A-20-Abschnitts zu – die von den Umweltverbänden BUND und Nabu allerdings sogleich für nicht ausreichend erklärt wurden. Ihnen, wie der mitklagenden Gemeinde Klein Gladebrügge, wäre ohnehin eine Änderung der A20-Trasse am liebsten: Sie favorisieren einen Verlauf der Autobahn durch einen Stadttunnel in Bad Segeberg.

Im Gegensatz zu den Naturschützern hat die ebenfalls prozessierende Gemeinde Wittenborn wohl keine Chance mit ihrer Klage. Sie sieht sich in ihrem kommunalen Selbstverwaltungsrecht verletzt, weil ihre Feuerwehr den geplanten Fledermaustunnel an der künftigen A20 im Segeberger Forst nicht nutzen darf. Beim Anrücken zum Löschen von Waldbränden oder zu Unfällen seien daher Umwege von drei bis vier Kilometern nötig, kritisierte Bürgermeister und Wehrführer Thorsten Lange. Doch der Vorsitzende Richter äußerte „erhebliche Zweifel an den Erfolgsaussichten der Klage“ – Land und Gemeinde sollten einen Kompromiss suchen.

Gelungen ist das Minister Meyer bereits mit der Segeberger Firma Möbel Kraft. Auch die hatte gegen den Weiterbau der A 20 geklagt, weil sie bemängelte, dass mit der Autobahn nicht auch gleich eine Kreuzung nahe des Möbelhauses ausgebaut werde und die Kunden daher künftig im Stau stecken bleiben könnten. Nun haben sich Land und Kraft geeinigt: An der neuralgischen Kreuzung entsteht ein Kreisverkehr mit gesonderten Abbiegespuren. Möbel Kraft zog die Klage daraufhin Anfang der Woche zurück.

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