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Tier-Drama vor Helgoland : 47 Robbenbabys vom Meer verschluckt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sturm „Xaver“ hat die frisch geborenen Jungtiere der Kegelrobbenkolonie von der Düne vor Helgoland in die Nordsee gerissen – und den Strand der Insel stark beschädigt.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Helgoland | Sturmtief „Xaver“ peitschte mit voller Wucht über die Nordseeinsel Helgoland – und richtete auf der vorgelagerten Düne ein Tierdrama an. „Ich vermisse bei den Kegelrobben 47 Jungtiere“, berichtet Helgolands Naturschutzbeauftragter Rolf Blädel. Am Wochenende war es ihm nach den Sturmtagen zum ersten Mal möglich, mit der Fähre zur Düne zu fahren und nach den Tieren Ausschau zu halten. Ihm bot sich ein fürchterliches Bild: Vergeblich suchten schreiende Robben am Strand nach ihren Jungen. Fünf Babys, die von ihren Müttern durch die hohen Wellen getrennt wurden, konnte Blädel einfangen. Die drei schwächsten Tiere wurden noch am Sonntag mit dem Helgoland-Schiff „Funny Girl“ nach Cuxhaven gebracht und anschließend zur Seehundaufzuchtstation in Friedrichskoog (Dithmarschen) gefahren, gestern folgten zwei weitere Robbenbabys. Bei der genauen Zählung am Strand musste Blädel dann feststellen, dass von den 141 Robbenbabys, die in diesem Winter bisher zur Welt kamen, nur noch 94 auf oder vor der Düne waren. „So etwas habe ich noch nicht erhebt“, sagt Blädel mit trauriger Stimme.

Seit fast 25 Jahren kümmert sich der Helgoländer um den Robben auf der Düne. Bislang war es den Weibchen mit ihren Jungtieren auch bei schweren Stürmen immer gelungen, die Düne hinauf zu robben und Schutz zu suchen. Doch Sturmtief „Xaver“ schlug aus nordwestlicher Richtung so stark zu, dass es zu hohen Abbruchkanten kam. „Die konnten nur kräftige Tiere mit ihren Jungen überwinden. Wir haben sie auf dem Campingplatz, in der Bungalow-Anlage und auf dem Flugplatz gefunden“, berichtet Blädel. Er hofft ein wenig, dass die vermissten 47 Jungen irgendwo ans 60 Kilometer entfernte Festland getrieben werden. Ob die kleinen Robben es schaffen können – der Seehundexperte weiß es nicht.

Beschädigt wurde durch „Xaver“ und die drei Sturmfluten besonders der Nordstrand. Nach ersten Schätzungen geht die Gemeinde davon aus, dass allein dort 50.000 Kubikmeter Sand weggerissen wurden. An einigen Stellen des wurde der Schutzdeich auf eine Breite von mehr als 15 Metern zerstört.

Bürgermeister Jörg Singer: „Es geht jetzt vor allem darum, die Existenz der Düne und des Nordostlandes im Bereich der Jugendherberge mit dem Wasserschutzgebiet zu sichern und darum, noch größere Schäden abzuwehren und einen möglichen Deichdurchbruch zu verhindern.“

Gestern wurden die Schäden analysiert und Sofortmaßnahmen eingeleitet. Experten gehen davon aus, dass für die Instandsetzung der Düne teure Sandaufspülungen notwendig sind.

Tourismusdirektor Klaus Furtmeier meint: „Ohne professionelle, fremde Hilfe dürfte es aus heutiger Sicht nicht gelingen, die Strände bis zum Saisonstart 2014 wieder herzurichten, zumal die Sturmsaison erst begonnen hat.“ Als erste Sofortmaßnahme wurde unter anderem auf dem Flugplatz die lange Landebahn von Sand und Treibgut befreit, sodass der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

 

 

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