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Prozessauftakt in Itzehoe : 18-Jährige Lisa Marie erwürgt – Angeklagter gesteht

vom

Eine 18-Jährige wird nach tagelanger Suche erwürgt auf einem Acker gefunden. Ihr Mörder soll ein 16-jähriger Nachbarsjunge sein. Im Prozess wiederholte er nun sein Geständnis.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 16:10 Uhr

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der 18-jährigen Lisa Marie aus Tornesch hat der angeklagte 16-Jährige die Tat gestanden. Auf der Anklagebank wiederholte der Jugendliche am Donnerstag ein Geständnis, dass er nach seiner Festnahme bei den Ermittlungsbehörden abgelegt hatte, sagte die Itzehoer Staatsanwältin Maxi Wantzen in einer Verhandlungspause. Sein Motiv blieb weiter im Dunkeln.

Der Mord an der 18-jährigen Lisa Marie aus Tornesch bei Pinneberg im März dieses Jahres sorgte bundesweit für Entsetzen: Ein 16-Jähriger aus der Nachbarschaft soll die junge Frau mit dem rotblonden Haar erwürgt haben. Unter großem Medieninteresse hat am Donnerstag der Prozess gegen den jungen Mann begonnen. Wegen des Alters des Angeklagten verhandelt die Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Staatsanwältin wirft dem jungen Mann vor, am 19. März drei Tage nach seinem 16. Geburtstag die Frau getötet zu haben. Der junge Mann mit den dunkelblonden Haaren und den grauen Augen soll sein Opfer von hinten umfasst und erwürgt haben: Mord aus Heimtücke, so die Anklage. Der 16-Jährige und sein mutmaßliches Opfer waren beide Feuerwehr-Mitglieder. Der Angeklagte soll die junge Frau - sie machte eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten - mit einem Trick in sein Kinderzimmer gelockt haben: Er habe mit ihr über den Tod eines Feuerwehrkameraden sprechen wollen, soll er ihr über „WhatsApp“ geschrieben haben.

Die Eltern des Opfers saßen zum Prozessauftakt neben der Vertreterin der Anklagebehörde. Sie nahmen als Nebenkläger an dem Verfahren teil. Sie erwarteten, in dem Prozess Antworten zu bekommen auf die Frage nach dem Warum, sagte ihr Rechtsanwalt Thomas Erdmann. „Ich denke, dass diese Erwartungen wohl nicht vollumfänglich erfüllt werden.“ Die Eltern des mutmaßlichen Täters betraten den Gerichtssaal erst Minuten nach ihnen. Sie durften während der Verhandlung neben ihrem Sohn sitzen.  

Nach Angaben der Ermittler hat der Schüler die Tat im wesentlichen eingeräumt. Zu Motiven und Hintergründen des Mordes machten die Prozessbeteiligten bislang keine Angaben. „Die Verteidigung gibt nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen und das Opfer keine Stellungnahme“, sagte Rechtsanwältin Franziska Hammer am Rande des Prozesses.  

Der 16-Jährige und sein mutmaßliches Opfer waren beide Feuerwehr-Mitglieder. Den Ermittlern hatte der 16-Jährige berichtet, dass er in der Vergangenheit Gewaltvideos mit Würgeszenen angeschaut habe, in denen wehrlose Frauen gedemütigt und gequält werden. Die Polizei hatte gegen ihn bereits in der Vergangenheit ermittelt - unter anderem, weil er als 13-Jähriger Nachbarskinder gewürgt haben soll. In Interviews mit Medien hatte der Angeklagte anfänglich versucht, den Verdacht auf Lisa Maries 18 Jahre alten Freund zu lenken.

Die 18-Jährige war am Abend des 19. März 2014 von ihren Eltern als vermisst gemeldet worden. Sie war nach einem Besuch bei einem Bekannten verschwunden und am nächsten Morgen auch nicht bei der Arbeit erschienen. Die Polizei suchte tagelang mit Spürhunden und einem Hubschrauber nach ihr. Am 24. März wurde die Leiche der jungen Frau auf einem freien Feld im Ortsteil Ahrenlohe entdeckten. Sie lag wenige Meter hinter dem Elternhaus des Angeklagten.   

Nach Angaben von Gerichtssprecherin Gärtner sind bislang 17 Zeugen und 3 Sachverständige zu dem Prozess geladen. Bei einem Schuldspruch droht dem jungen Mann eine Höchststrafe von zehn Jahren Jugendstrafe. Möglich sei jedoch auch eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik. In einem vorläufigen psychiatrischen Gutachten haben Sachverständige den Angeklagten bislang jedoch als schuldfähig beurteilt. Dennoch: „Die Kammer wird sicher diskutieren, ob eine Unterbringung zu erfolgen hat“, sagte Nebenklagevertreter Erdmann. Ein Urteil wird der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing frühestens nach vier Verhandlungstagen am 15. Oktober verkünden.

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