Internetkriminalität in SH : Mehr Geld und Personal im Kampf gegen Cybercrime

Immer mehr Menschen sind im Internet aktiv. Die Möglichkeiten, dort Schäden anzurichten, sind daher immens.
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Immer mehr Menschen sind im Internet aktiv. Die Möglichkeiten, dort Schäden anzurichten, sind daher immens.

Cyberkriminalität ist auch in Schleswig-Holstein ein großes Problem. Zur Unterstützung der Landespolizei plant Innenminister Breitner daher, in den kommenden Jahren rund 3,4 Millionen Euro auszugeben. Mehr Personal soll zusätzlich unterstützen.

shz.de von
11. Juni 2014, 18:16 Uhr

Kiel | Der Datenklau von 18 Millionen E-Mail-Adressen samt Passwörtern im Frühjahr hat die Internetnutzer aufgeschreckt. Aber nicht nur deutschlandweit – auch in Schleswig-Holstein ist Cyberkriminalität längst ein flächendeckendes Problem. Es umfasst zum einen die Straftaten, die sich gegen das Internet richten. Dazu zählen das Abfangen und Ausspähen von Daten, Computerbetrug, Fälschung von Daten, Diebstahl digitaler Medien oder auch Phishing-Angriffe im Bereich des Online-Banking. Der größere Anteil im Deliktsbereich Cybercrime entstehe allerdings durch Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel genutzt wird. Dazu gehören Kinderpornografie, Warenbetrug und Warenkreditbetrug.

Das Gefahrenpotential dieser Kriminalitätsform ist besonders hoch, denn immer mehr Menschen sind im Internet unterwegs und selbst bei Älteren ist das Netz mittlerweile im Alltag angekommen. Die Möglichkeiten, Schäden anzurichten, sind immens: Es können individuelle Schäden entstehen, wenn eigene Daten geklaut werden oder auch Schäden für die Wirtschaft, wenn es sich um Wirtschaftskriminalität handelt. Die Täter werden dabei immer professioneller und agieren global. Dadurch steht die Polizei vor immer größeren Herausforderungen und muss sich zukunftsfähig machen.

Doch der Polizei im nördlichsten Bundesland fehlt es an Personal. „Wir sind im Bereich Computerkriminalität überlastet. Zwar plant das Land, diesen Bereich personell aufzustocken. Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, bestätigt Antje Gerlieb, Sprecherin des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Schleswig-Holstein (BDK) im April dem sh:z.

Jetzt scheint es Bewegung zu geben, im Kampf gegen die gut vernetzten Täter im Internet. Knapp 3,4 Millionen Euro plant Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner bis 2018 zur Unterstützung der Landespolizei auszugeben. Dieses Jahr sollen bereits 388.000 Euro in aufwendige, besonders leistungsfähige Computer und Lizenzgebühren investiert werden. Dies geht aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Landtagsfraktion an die Landesregierung und deren Antwort hervor. Nächstes Jahr soll schon mehr als doppelt so viel ausgegeben werden: 863.000 Euro fließen demnach in die Anschaffung von zusätzlicher Hard- und Software. Laut Innenministerium werden diese Ausgaben aus dem Gesamt-IT-Haushalt der Polizei finanziert.

Auch auf personeller Ebene hat sich etwas getan. Im Februar wurde vom Landeskriminalamt das Projekt „Zentrale Organisationseinheit Cybercrime“ („ZOEC“) mit insgesamt 20 Mitarbeitern eingerichtet. Diese setzen sich zum größten Teil aus Polizeibeamten zusammen, aber auch drei Informatiker zählen dazu. Neu eingestellt wurden sie zwar nicht, da sie laut Breitner „aus dem Personalbestand der Polizeidirektion“ kommen – doch die Mitarbeiter erhalten eine spezielle Aus- und Fortbildung. Wann die Projektphase abgeschlossen ist, steht zurzeit nicht fest. Doch anschließend möchte das Innenministerium die Einheit mit weiteren sieben Stellen aufstocken. Noch größere Unterstützung plant man bei den regionalen IT-Beweissicherungseinheiten der Bezirkskriminalinspektionen (rITBen) in Kiel, Lübeck, Itzehoe und Flensburg. Statt bisher mit 14, soll dann sogar mit 36 Beamten gearbeitet werden.

Wolfgang Kubicki, Vorsitzender und innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, kritisiert die Pläne des Innenministeriums: „Vor dem Hintergrund von signifikant sinkenden Fallzahlen und einer exzellenten Aufklärungsquote im Bereich der Cyberkriminalität, von der man in anderen Bereichen – zum Beispiel bei Wohnungseinbrüchen – nur träumen kann, darf man zu Recht fragen: Muss an anderer Stelle Personal eingespart werden, um die Polizei in den Cyberkrieg zu führen?“ Das Sicherheitsempfinden der Bürger sei laut Kubicki bereits „ins Bodenlose geschwunden“.

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