Abschlussarbeiten in SH : Mathe-Prüfungen: Über 10.000 Schüler sacken um eine Note und mehr ab

Bei den betroffenen Prüfungen ging es um die Fachhochschulreife. Sie berechtigt zum Studium an Fachhochschulen und einigen Universitäten wie Potsdam oder Cottbus. /Symbolbild
Die Aufgaben der Arbeiten haben eine umfangreiche Entstehungsgeschichte.

Die Abschlussarbeiten für den ESA und MSA fielen schlecht aus. Die Ursachenforschung geht unterdessen weiter.

fju_maj_0203 von
13. Juli 2018, 07:12 Uhr

Kiel | Mehr als 10.000 Schüler haben bei den umstrittenen Mathearbeiten für den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) und den Mittleren Schulabschluss (MSA) so schlecht abgeschnitten, dass sie um mindestens eine ganze Zensur hinter ihrer Vornote zurückblieben. Das teilte das Bildungsministerium jetzt auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion mit. Damit wird erstmals das Ausmaß des Abrutschens klar.

Beim ESA, der dem früheren Hauptschulabschluss entspricht, wichen bei der Mathe-Abschlussarbeit 3398 Jugendliche und damit 55,8 Prozent um mindestens eine Note von ihrer Vornote ab. Beim MSA, der die einstige Mittlere Reife ersetzt hat, trifft dies auf 6959 Teilnehmer und damit sogar 69,6 Prozent zu. Die Vornote bildet sämtliche Leistungen eines Schuljahres mit Ausnahme der Abschlussarbeit ab. Insgesamt traten bei den beiden Abschlüssen 23.172 Prüflinge an.

Nur 36 Lehrkräfte bei Info-Veranstaltung

Nach dem außergewöhnlich schlechten Ausfall hatten unter anderem Schüler- und Elternvertreter eine nicht ausreichende Vorbereitung auf die Aufgaben bemängelt. Pikant: An einer Informationsveranstaltung, die das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) Lehrkräften angeboten hat, die an den zentralen Abschlussprüfungen beteiligt waren, nahmen gerade einmal 36 Personen teil. Diese Zahl geht ebenfalls aus der Antwort des Ministeriums auf die SPD-Anfrage hervor. Abgenommen wurden die ESA- und MSA-Prüfungen indes an rund 200 Gemeinschaftsschulen – mit einer um ein vielfaches höheren Zahl von Lehrern. Dem Vernehmen nach war die Teilnahme – wie stets bei Lehrerfortbildungen – freiwillig.

Die Aufgaben der Arbeiten wiederum, so macht das Ministerium klar, haben eine umfangreiche Entstehungsgeschichte mit zahlreichen prüfenden Blicken hinter sich. Sie reicht bis in den Januar 2016 zurück. Die meisten der sieben Teilschritte hat eine Fach-Kommission in voller Besetzung vollzogen. Bei wenigen Schritten tauschten sich zwei Kommissionsmitglieder untereinander aus. Außerdem hat das Ministerium eine Professorin der Pädagogischen Hochschule im baden-württembergischen Weingarten als Gutachterin eingeschaltet. Daraufhin kam es zu Überarbeitungen. Beispielsweise wurden Aufgabentexte radikal gekürzt.

Regional wichen die Noten beim ESA in Neumünster und im Kreis Plön vom Landes-Durchschnitt am stärksten nach unten ab; in Kiel und Lübeck demgegenüber am meisten nach oben. Beim MSA schnitten Ostholstein und Schleswig-Flensburg am schlechtesten ab. Hier wiederum platzierte sich Neumünster am besten, gefolgt von Dithmarschen. Einziger Kreis, der bei beiden Abschlüssen unter dem Landesschnitt liegt, ist Steinburg. Ein Sprecher des Bildungsministeriums bekräftigte, die Ursachenforschung für den schlechten Ausfall gehe weiter. Dazu zähle auch, dass die Schulaufsicht die Ergebnisse in verschiedenen Kreisen und einzelnen Schulen dort genauer analysieren werde.

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