Wahlkampfauftakt der AfD : Massiver Protest gegen Frauke Petry in Lübeck

Schworen rund 300 AfD-Anhänger auf den Landtagswahlkampf ein: Frauke Petry und Jörg Nobis.
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Schworen rund 300 AfD-Anhänger auf den Landtagswahlkampf ein: Frauke Petry und Jörg Nobis.

Mehrere hundert Demonstranten stehen 200 Gästen gegenüber – die Demo gegen die Rechtspopulisten bleibt friedlich.

Kay Müller von
02. März 2017, 20:38 Uhr

Lübeck | Es ist wie eine Art Spießrutenlauf: Die rund 200 meist älteren Gäste beim Wahlkampfauftakt der AfD in Schleswig-Holstein müssen am Donnerstagabend nicht nur ein Großaufgebot an Polizeikräften passieren, sondern sich auch an den Gegendemonstranten von SPD, Gewerkschaften und Antifaschisten vorbeidrängen, die sich mit Lautsprecherwagen und Transparenten vor den Media Docks in Lübeck positioniert haben. „Nazis raus“, ruft eine Frau und bläst in ihre Trillerpfeife. Dem Aufruf „Solidarisch gegen den Hass“ folgten laut Polizeiangaben 200 Personen, 400 Demonstranten hatte der DGB mobilisiert.

<p>Demonstranten machten vor den Media Docks ihrem Unmut Luft.</p>
Foto: dpa

Demonstranten machten vor den Media Docks ihrem Unmut Luft.

 

Die Proteste blieben nach Angaben der Lübecker Polizei friedlich. Um 18.10 Uhr kam es zu Verkehrsbehinderungen im Zuge der Drehbrücke/Willi-Brand-Allee durch den Zulauf von Kundgebungsteilnehmern, so Polizeisprecher Stephan Muhtz. Der Bereich wurde vorübergehend voll gesperrt.

Dem Aufruf „Solidarisch gegen den Hass“ folgten ca. 200 Personen – diese Kundgebung wurde um 19.25 Uhr durch die Anmelderin für beendet erklärt.
Der DGB mobilisierte ca. 400 Personen. Diese Kundgebung wurde um 19.35 Uhr beendet.
Foto: Peter Wüst
Dem Aufruf „Solidarisch gegen den Hass“ folgten ca. 200 Personen – diese Kundgebung wurde um 19.25 Uhr durch die Anmelderin für beendet erklärt. Der DGB mobilisierte ca. 400 Personen. Diese Kundgebung wurde um 19.35 Uhr beendet.
 

Zum Wahlkampfauftakt der Partei ist die Bundesvorsitzende der AfD nach Lübeck gekommen. Im Saal beantwortet Frauke Petry schon vor ihrer Rede die Fragen der vielen Journalisten. In einer Ecke hat die AfD ein Plakat aufgestellt. „Unser Land, unsere Heimat“ steht darauf, daneben steht eine Deutschlandfahne.

Auch sie musste sich ihren Weg zum Veranstaltungsraum in den Media Docks durch mehrere hundert Gegendemonstranten bahnen, die sie mit Pfiffen und Buhrufen empfingen. Am Rednerpult ist Petry der Applaus ihrer Anhänger sicher – etwa wenn sie den „Verfall der politischen Kultur“ beklagt. Oder wenn sie den SPD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Martin Schulz, als „heiligen Martin“ bezeichnet, der beim Thema Alkohol eine „kleine Schwäche“ habe.

Und wenn sie darauf hinweist, dass Schulz als Ex-EU-Parlamentspräsident mehr Geld verdiene als Angela Merkel – und dann sagt: „Dass er sich hinstellt und sich als Vertreter des kleinen Mannes hinstellt ist doch die Höhe.“ Das sei verlogen.

Umfragen im vorigen Jahr hatten der AfD in Schleswig-Holstein sechs Prozent vorausgesagt. Eine aktuellere Prognose gibt es nicht. Dies würde aber reichen, um erstmals Mandate für den Kieler Landtag zu bekommen. „Jetzt schon stärkste Partei zu werden, hielte ich gar nicht für erstrebenswert. Wir wollen Regierungsarbeit in den nächsten Jahren lernen, damit wir unser Ziel, stärkste Kraft zu werden, dann auch umsetzen können“, sagte Petry in ihrer Rede.

Nicht ganz so dynamisch hatte zuvor der AfD-Landesvorsitzende Jörg Nobis versucht, seine Anhänger auf die Landtagswahl einzuschwören. „In 66 Tagen ist die Küstenkoalition Geschichte, am Ende ist sie ja jetzt schon“, liest er vom Blatt ab. Man werde am 7. Mai in den Landtag einziehen und der „vernebelten Küstenkoalition ein Ende bereiten“, sagte Nobis. Ziel der AfD sei, ein zweistelliges Wahlergebnis. Für Attacken auf Angela Merkel bekommt er den meisten Beifall.

Nobis dankt den Verantwortlichen der Media Docks, die es der AfD ermöglicht haben, ihre Veranstaltung abzuhalten. Und den Gewerkschaftern, die vor dem Saal demonstrieren, ruft er zu: „Schämen Sie sich, dass Sie sich mit linksradikalen Krawallmachern gemein machen.“

Schon im Vorwege der Wahlkampfveranstaltung hatte es Streit gegeben: Gegner der AfD hatten die Stadt Lübeck für die Vermietung städtischer Räume an die Partei kritisiert und gefordert, die Zusage rückgängig zu machen. Die Hansestadt hatte das mit der Begründung zurückgewiesen, die AfD sei eine zur Landtagswahl zugelassene Partei. Eine Absage sei nur bei erheblichen Sicherheitsbedenken möglich.

Die Sicherheit gewährleisten Donnerstagabend viele Polizisten – wie viele, das will Polizeisprecher Stefan Muhtz nicht sagen. „Es ist alles verhältnismäßig ruhig gelaufen.“ Bis zum Ende der Veranstaltung habe es keine Ausschreitungen gegeben.

Frauke Petrys Auftritt am Freitag im Kieler Schloss ist dagegen wegen Sicherheitsbedenken abgesagt worden, stattdessen will die AfD-Vorsitzende bei einer Veranstaltung in der Gaststätte „Tivoli“ in Aukrug (Kreis Rendsburg-Eckernförde) auftreten. Der Wirt hat bereits Drohungen erhalten. Und: Gegendemonstrationen sind angekündigt.

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