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Bergenhusen : Massensterben bei den Jungstörchen

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Storchenbetreuer finden in den Nestern rund um Bergenhusen reihenweise tote Küken - und haben dafür eine Erklärung.

Bergenhusen | Zwei Tage Dauerregen nach Pfingsten haben bei den Jungstörchen im Norden Schleswig-Holsteins ein Massensterben ausgelöst. Als Storchenbetreuer Jörg Heyna am Wochenende zu seiner Beringungstour unterwegs war, bot sich ihm ein trauriges Bild: in den Nestern Wohlde, Börm, Havetoft, Alt Bennebek und Treia – überall tote oder gar keine Jungstörche. „So etwas haben wir seit Jahren nicht mehr erlebt“, sagt Jörg Heyna, „ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr die 43 Brutpaare im Kreis Schleswig-Flensburg im Schnitt nicht einmal ein Junges großziehen können. Das sind schon traurige Bilder, wenn man in die Nestern schaut.“

Drei Überlebende in Erfde werden von Jörg Heyna beringt.
Drei Überlebende in Erfde werden von Jörg Heyna beringt. Foto: lat
 

Woran sterben die jungen Störche?

Den Tieren ist in erster Linie der Dauerregen kurz nach Pfingsten zum Verhängnis geworden, sagt der Weißstorch-Experte Kai Thomsen, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Michael-Otto-Institut in Bergenhusen. Zudem sei der Regen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt gefallen. „Es hat zwei Tage Regen mit starkem Wind gegeben, als die Jungstörche noch kein wasserabweisendes Gefieder entwickelt hatten. Zudem waren sie inzwischen zu groß, um von ihren Eltern noch ausreichend gewärmt werden zu können“, erklärt Thomsen. „Deshalb sind sie an Unterkühlung verendet.“

Wäre der Regen zwei Wochen früher oder später gekommen, hätten sie möglicherweise mit Hilfe ihrer Eltern oder ihres Gefieders überleben können. Ungeschützt aber sind die jungen Störche schon nach 24 Stunden in Nässe und Wind vom Tod bedroht.

Trauriger Anblick in Bargen: Neben den Kadavern seiner Geschwister hat nur ein Küken überlebt.
Trauriger Anblick in Bargen: Neben den Kadavern seiner Geschwister hat nur ein Küken überlebt.
 

Vertragen Störche unser kühles Klima nicht?

„Das nördliche Schleswig-Holstein stellt die nordwestliche Grenze für die Weißstorch-Population dar“, sagt Kai Thomsen – „unser Wetter ist in der Tat problematisch. Hier ist immer mit Wind und längeren Regenphasen zu rechnen.“ Dass die Störche den ungemütlichen und für ihre Brut gefährlichen Norden künftig instinktiv meiden könnten, befürchtet Jörg Heyna allerdings nicht. „So lange sie in der Natur Nahrung finden, werden sie auch wiederkommen“, sagt der Experte.

Ein Problem für die Störche stellt auch der Nestbau dar. Die Basis wird meist durch Menschen gestellt. „Die Störche richten es dann ein, wie sie wollen“, sagt Heyna. Dafür suchen sich die Tiere das Material zusammen – und das erweist sich häufig als ungeeignet: „Da werden dann auch Plastiktüten oder Folien eingearbeitet, die das Abfließen von Feuchtigkeit verhindern. Auch verdichtete Grassoden und Grasschnitt können eine Gefahr darstellen.“

Kann der Mensch den Störchen helfen?

Im Prinzip sind die Storchenexperten der Ansicht, dass die Tiere allein zurechtkommen müssen. Viele Nester aber werden gepflegt – vor allem wenn sie so sehr verdichtet sind, dass Wasser nicht abfließen kann. „Ich rate den Helfern immer, die Mitte des Nestes aufzugraben und das Loch mit Holzschredder, Stöcken, Zweigen und einigen Lagen Stroh aufzufüllen“, erklärt Jörg Heyna. „Das Ganze ist durchlässig und sorgt mindestens ein Jahr lang dafür, dass sich kein Wasser im Nest staut.“

Zudem wird auch während der Brutzeit gelegentlich das durchnässte Nistmaterial durch trockenes Stroh ersetzt – wie zuletzt in Bargen, wo nur einer von vier jungen Störchen den Dauerregen überlebt hatte. Um dem Jungvogel eine Chance zu geben, verschafften ihm freiwillige Helfer eine trockene Unterlage.

Nach den Regentagen spielten sich in den Nestern Dramen ab, die auch für erfahrene Storchenfreunde nur schwer zu ertragen sind. In Erfde hatten die beiden Storchenpaare insgesamt acht Küken ausgebrütet. Jetzt sind nur noch vier am Leben. Als Jörg Heyna am Wochenende mit dem Hubsteiger zum Nest hochfuhr, stieg ihm schon bald Verwesungsgeruch in die Nase. Die Storcheneltern hatten es nicht geschafft, den etwa zwei Kilo schweren Kadaver aus dem Nest zu werfen. Das übernahmen nun die Helfer – und sie hoffen, dass jedenfalls die anderen Küken überleben.

 

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erstellt am 13.Jun.2017 | 15:12 Uhr

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