Kommentar : Marode Infrastruktur in SH: Das dicke Ende kommt noch

Die marode Infrastruktur gefährdet die heimische Wirtschaft.
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Knapp 1,5 Kilometer ist die 1972 fertiggestellte Rader Hochbrücke lang. Die Lebensdauer gaben die Architekten damals mit 100 Jahren an. Doch statt bis 2072 wird sie wohl nur bis zum Jahr 2026 halten.

Die Folgen der Versäumnisse werden Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren stärker einholen als der Stau die Autofahrer, meint Stephan Richter.

shz.de von
02. Oktober 2014, 06:33 Uhr

Über mangelnde Rückendeckung kann sich Schleswig-Holsteins Minister Reinhard Meyer bei seinem Kampf für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur nicht beklagen. Doch der Druck auf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, mehr Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen, ist nur die eine Seite der Medaille. Das dicke Ende kommt noch.

Die Folgen der Versäumnisse werden das Land in den nächsten Jahren stärker einholen als der Stau die Autofahrer. Lastwagen, die über Bröckel-Brücken kriechen, oder Containerschiffe, die nicht mehr Hamburg anlaufen können, beeinflussen Warenströme und Investitionsentscheidungen der Wirtschaft. Die Abwanderung von Unternehmen, der Verlust von Arbeitsplätzen droht. Zumal es selbst bei schneller Hilfe dauern wird, bis Besserung in Sicht ist.

Denn es geht nicht nur ums Geld: Jahrzehntelange Genehmigungsverfahren unter Ausschöpfung aller Rechtsmittel durch Blockierer – siehe Elbvertiefung, siehe A20-Weiterbau – sorgen für zusätzlichen Stillstand. Wenn der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Andreas Tietze, die Hinweise von Unternehmen, wegen der Verkehrsprobleme aus dem Norden abwandern zu wollen, als „Horrorgeschichten“ abtut, dann spricht daraus ideologische Arroganz. Mit Windmühlen darf das Land zugepflastert werden, Straßen und Brücken können verkommen. Am Ende wird die Wirtschaft den Norden abschreiben. Zumal die Grünen selbst beim Jahrhundertprojekt Fehmarnbelt bestenfalls passiv bleiben.

So hat Verkehrsminister Meyer dann doch ein Problem: In der eigenen Regierungskoalition mangelt es an Einsicht, dass die Verkehrsinfrastruktur entscheidend bleibt für die Zukunft von Wirtschaftsstandorten.

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